Was macht eine verantwortliche Pflegefachkraft?
Die verantwortliche Pflegefachkraft, in vielen Häusern Pflegedienstleitung genannt, ist die fachliche Spitze der Pflege in einem Pflegeheim, einem ambulanten Dienst oder einer Tagespflege. Sie stellt sicher, dass jede pflegebedürftige Person die Versorgung erhält, die Pflegevertrag, Pflegegrad und Fachstandard vorsehen. Dazu gehört das Erstellen und Prüfen von Dienstplänen, die Verteilung der Touren im ambulanten Dienst, das Führen von Mitarbeitergesprächen, das Einarbeiten neuer Kräfte und die Kontrolle der Pflegedokumentation. Sie führt Pflegevisiten durch, bespricht mit Ärzten und Therapeuten die Versorgung einzelner Bewohner, nimmt Neuaufnahmen auf, stuft Pflegegrade ein und beantwortet Beschwerden von Angehörigen.
Ein großer Teil der Arbeit ist Steuerung mit Zahlen: Belegung, Fachkraftquote, Krankenstand, Leistungsnachweise für die Kassen. Prüfungen durch den Medizinischen Dienst und die Heimaufsicht werden vorbereitet, begleitet und nachbearbeitet. Bei Personalausfall springt die verantwortliche Pflegefachkraft in vielen Einrichtungen selbst in die Pflege ein.
Wie wird man verantwortliche Pflegefachkraft?
Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann beziehungsweise als Altenpflegerin, Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Dazu verlangt § 71 SGB XI mindestens zwei Jahre hauptberufliche Tätigkeit in der Pflege innerhalb der letzten fünf Jahre sowie eine Weiterbildung zur verantwortlichen Pflegefachkraft mit mindestens 460 Unterrichtsstunden. Diese Weiterbildung wird berufsbegleitend über etwa ein bis zwei Jahre angeboten und behandelt Personalführung, Pflegerecht, Qualitätsmanagement und Betriebswirtschaft. Anerkannt wird ersatzweise ein Studium im Pflegemanagement. Ein Quereinstieg ohne Pflegeexamen ist ausgeschlossen.
Was der Beruf verlangt
Die Position liegt zwischen Trägervorgaben, knappen Budgets und einem Team, das häufig unterbesetzt ist. Dienstpläne müssen mit weniger Personal gefüllt werden, als der Bedarf hergibt; Ausfälle landen auf dem Schreibtisch der Leitung, oft am Wochenende und am Telefon. Die Verantwortung ist auch rechtlich real: Wer die fachliche Leitung trägt, haftet für Organisationsverschulden. Bürokratie nimmt viel Raum ein, Dokumentation und Prüfvorgaben binden Zeit, die für Menschen fehlt. Hinzu kommen Konflikte im Team, Kritik von Angehörigen und die Nähe zu Sterben und Tod. Die Arbeitszeit ist überwiegend Tagdienst, aber mit Rufbereitschaft und Überstunden; wer noch in der Pflege mitarbeitet, geht auch in den Schichtdienst. Gebraucht werden Durchsetzungsfähigkeit, Belastbarkeit und die Bereitschaft, unpopuläre Entscheidungen zu vertreten.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und dürfte weiter steigen, weil jede Pflegeeinrichtung und jeder ambulante Dienst eine verantwortliche Pflegefachkraft benötigt und viele Stellen lange unbesetzt bleiben. Wer die Weiterbildung hat, findet in nahezu jeder Region eine Stelle und kann zwischen Trägern wechseln. Entwicklungswege führen zur Einrichtungsleitung, in die Regionalleitung mehrerer Standorte, ins Qualitäts- oder Case Management, in die Pflegeberatung oder in die Lehre an einer Pflegeschule. Ein Studium in Pflegemanagement oder Pflegewissenschaft öffnet Stellen bei Trägern, Kassen und Verbänden. Die Kehrseite: Die Fluktuation in Leitungspositionen ist hoch, viele geben nach einigen Jahren wegen der Doppelbelastung auf.