Was macht eine Fachkraft für Soziale Arbeit am virtuellen Campus?
Der virtuelle Campus ist die Lern- und Beratungsumgebung einer Fern- oder Präsenzhochschule, einer Bildungsträgerin oder einer Online-Beratungsstelle. Wer hier in der Sozialen Arbeit tätig ist, arbeitet an zwei Fronten: Er begleitet Studierende und Teilnehmende durch ihr Studium oder ihre Weiterbildung, und er vermittelt oder praktiziert sozialarbeiterische Methoden in digitaler Form.
Konkret heißt das: Online-Seminare in Videokonferenzen leiten, Lernmodule in einer Lernplattform wie Moodle oder Ilias einstellen und aktuell halten, Studienleistungen korrigieren und rückmelden, Foren moderieren, in denen Studierende Fälle diskutieren. Dazu kommt die individuelle Begleitung: Sprechstunden per Video, Beratung bei Prüfungsangst, Studienabbruchgedanken oder der Vereinbarkeit von Job, Familie und Studium. Wer in der Online-Beratung arbeitet, führt Chat- und Mailberatungen mit Klientinnen und Klienten, dokumentiert Verläufe und verweist an Präsenzangebote weiter, wenn eine Krise das erfordert. Häufig gehört auch die Organisation von Praxisphasen dazu – Praxisstellen prüfen, Anleitungsverträge sichten, Praxisberichte bewerten.
Wie wird man Fachkraft für Soziale Arbeit am virtuellen Campus?
Grundlage ist ein Studium der Sozialen Arbeit, Sozialpädagogik oder Erziehungswissenschaft, in der Regel mit Bachelor, für Lehr- und Modulverantwortung meist mit Master. Für staatlich anerkannte Aufgaben in der Beratung wird die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiter oder Sozialpädagoge verlangt. Wer lehrend arbeiten will, braucht neben dem Abschluss einschlägige Praxiserfahrung, oft mehrere Jahre in Jugendhilfe, Beratungsstelle, Klinik oder Eingliederungshilfe.
Der Weg an den virtuellen Campus führt selten direkt von der Hochschule dorthin. Üblich ist der Wechsel aus der Praxis, ergänzt um Fortbildungen in Online-Beratung, Mediendidaktik oder E-Learning. Für die Beratung per Chat und Mail gibt es zertifizierte Weiterbildungen, die von Trägern und Fachverbänden zunehmend erwartet werden. Lehrbeauftragte steigen häufig nebenberuflich mit einzelnen Modulen ein.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist ortsunabhängig, aber nicht zeitfrei: Fernstudierende sind berufstätig, Seminare und Sprechstunden liegen deshalb oft abends und am Wochenende. Präsenzphasen bringen Reisetage. Die Bildschirmarbeit ist dicht, sechs Videostunden hintereinander ermüden stärker als sechs Stunden im Seminarraum.
Schwer fällt vielen die reduzierte Wahrnehmung. Ohne Körpersprache und geteilten Raum ist schwerer zu erkennen, wie es einem Menschen wirklich geht. Krisen zeigen sich im Chat später als im Gespräch, und die Verantwortung, sie trotzdem zu erkennen, bleibt. Dazu kommt Dokumentationsaufwand, Datenschutz als ständige Nebenpflicht und die Abhängigkeit von Technik, die ausfällt. Ein Teil der Stellen ist befristet oder auf Honorarbasis vergeben, besonders in der Lehre – das ist die unangenehmste Seite des Feldes.
Aussichten
Fernstudiengänge in der Sozialen Arbeit wachsen, ebenso digitale Beratungsangebote von Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Kommunen. Die Nachfrage nach Fachkräften, die sozialarbeiterisches Können und digitale Didaktik verbinden, ist entsprechend stabil. Entwicklungswege führen in die Studiengangs- oder Modulkoordination, in die Leitung von Online-Beratungsdiensten, in die Konzeptentwicklung digitaler Angebote oder – mit Promotion – in eine Professur an einer privaten oder staatlichen Hochschule.