Was macht ein SAP WM/EWM Berater?
Lager laufen heute über Software. Welcher Artikel in welchem Regalfach liegt, in welcher Reihenfolge ein Kommissionierer durch die Gänge geschickt wird, wann eine Nachschublieferung ausgelöst wird - das steuert in vielen Unternehmen SAP, entweder mit dem älteren Modul WM (Warehouse Management) oder mit dem Nachfolger EWM (Extended Warehouse Management). Berater für diese Module analysieren, wie ein Lager tatsächlich arbeitet, übersetzen das in Systemeinstellungen und bauen ab, was nicht passt.
Der Alltag besteht aus Gesprächen mit Lagerleitung, Logistikplanung und IT, aus Konzeptpapieren, aus Customizing im System, aus Tests und aus Schulungen. Dazu kommen Schnittstellen: EWM muss mit der Materialwirtschaft, dem Vertrieb, der Transportplanung und häufig mit Fördertechnik, Regalbediengeräten oder Staplerleitsystemen zusammenarbeiten. Wer Radio Frequency Framework, Wellenmanagement oder Lagerprozessarten einrichtet, arbeitet nah an der Hardware im Lager. Bei Systemumstellungen begleiten Berater die Inbetriebnahme oft vor Ort - nicht selten an einem Wochenende, weil der Betrieb dann still steht.
Wie wird man SAP WM/EWM Berater?
Einen Ausbildungsberuf mit diesem Namen gibt es nicht. Üblich ist ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Logistik, Supply Chain Management, Betriebswirtschaft oder Informatik. Ebenso verbreitet ist der Quereinstieg: Wer als Logistikfachkraft, Disponent oder Lagerleiter jahrelang mit SAP gearbeitet hat, kennt die Prozesse besser als viele Absolventen und wechselt über eine Keyuser-Rolle in die Beratung. Beratungshäuser stellen auch Berufseinsteiger ein und schulen sie in eigenen Programmen; SAP-Zertifizierungen zu EWM sind dabei üblich, aber selten Pflicht. Wichtiger ist die Kombination aus Prozessverständnis, Systemkenntnis und der Fähigkeit, mit Menschen im Lager verständlich zu sprechen.
Was der Beruf verlangt
Reisetätigkeit gehört bei externen Beratern dazu, in Projektphasen oft drei bis vier Tage pro Woche beim Kunden. Bei Inhouse-Stellen ist das seltener, dann liegt der Fokus stärker auf Betreuung und Weiterentwicklung eines bestehenden Systems. Go-Live-Termine sind harte Fristen; die Wochen davor sind lang, und Fehler im Lager fallen sofort auf, weil dann keine Ware das Haus verlässt. Der Beruf verlangt Bereitschaft, sich dauerhaft weiterzubilden - der Umstieg von WM auf EWM und S/4HANA hat Wissen entwertet und neues nötig gemacht. Wer keine Lust auf Dokumentation, Abstimmungsrunden und die Geduld hat, Anforderungen aus widersprüchlichen Aussagen herauszuarbeiten, wird damit Mühe haben.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und seit Jahren stabil. Viele Unternehmen müssen bis zum Auslaufen der Wartung für ältere SAP-Versionen auf S/4HANA und EWM wechseln, und Fachleute dafür sind knapp. Entwicklungswege führen zur Teil- oder Gesamtprojektleitung, zur Spezialisierung auf Materialflusssteuerung, Automatisierung oder EWM auf S/4HANA, zum Solution Architect oder in die Führung eines Beratungsteams. Der Wechsel zwischen externer Beratung und Inhouse-Rolle ist in beide Richtungen üblich und wird oft aus Gründen der Reisebelastung vollzogen.