Was macht ein Referent Recht?
Ein Referent Recht ist die juristische Instanz im Haus. Er prüft Verträge, bevor sie unterschrieben werden, formuliert Klauseln um, die zu weit oder zu unklar gefasst sind, und schreibt Stellungnahmen zu Fragen, die aus den Fachabteilungen kommen: Darf eine Kündigung so ausgesprochen werden, hält eine Werbeaussage dem Wettbewerbsrecht stand, was folgt aus einer neuen Verordnung für die eigenen Prozesse.
Der Alltag besteht aus Lesen, Recherchieren und Schreiben. Datenbanken wie beck-online oder juris werden nach Rechtsprechung durchsucht, Gesetzesänderungen im Bundesgesetzblatt und in den Amtsblättern der EU verfolgt, Ergebnisse in Vermerken zusammengefasst, die auch Nichtjuristen verstehen müssen. Dazu kommen Besprechungen mit Einkauf, Vertrieb, Personalabteilung oder Vorstand, Korrespondenz mit externen Anwaltskanzleien und die Betreuung von Streitfällen, die außergerichtlich beigelegt werden sollen. In Verbänden gehört auch politische Arbeit dazu: Gesetzentwürfe kommentieren, Positionspapiere verfassen, Mitglieder über neue Pflichten informieren.
Je nach Arbeitgeber liegt der Schwerpunkt auf Vertragsrecht, Arbeitsrecht, Vergaberecht, Datenschutz, Sozialrecht oder Verwaltungsrecht. Reine Generalisten sind selten, meist wächst mit den Jahren eine Spezialisierung.
Wie wird man Referent Recht?
Der übliche Weg führt über ein Studium der Rechtswissenschaften mit erstem und in vielen Fällen zweitem Staatsexamen. Ein abgeschlossenes Referendariat ist nicht überall Bedingung, öffnet aber deutlich mehr Stellen und ist im öffentlichen Dienst häufig Voraussetzung. Auch Absolventen wirtschaftsjuristischer Bachelor- und Masterprogramme oder mit LL.M.-Abschluss werden eingestellt, vor allem in Unternehmen und Verbänden, dort meist mit klar umgrenztem Aufgabengebiet.
Quereinstiege gibt es aus der Anwaltschaft, aus Compliance-Funktionen oder aus der Verwaltung. Wer aus einem kaufmännischen Beruf kommt, braucht in der Regel ein juristisches Studium; Weiterbildungen allein genügen für die Bezeichnung Referent Recht selten. Praktika in Rechtsabteilungen, eine Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Kanzlei oder Erfahrung im Vergabe- oder Datenschutzrecht helfen beim Einstieg mehr als Examensnoten allein, auch wenn diese bei großen Arbeitgebern weiter zählen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Schreibtischarbeit mit hohem Leseanteil und verlangt Ausdauer bei Texten, die niemand freiwillig liest. Fristen setzen den Rhythmus: Vertragsverhandlungen, Stellungnahmefristen in Gesetzgebungsverfahren, Klagefristen. Vor Abschlüssen oder Sitzungen entstehen Spitzen mit Überstunden, ansonsten sind die Arbeitszeiten regelmäßig, Homeoffice ist verbreitet.
Schwer fällt vielen die Rolle: Der Referent Recht muss oft nein sagen, ohne Weisungsbefugnis zu haben, und Ergebnisse liefern, wenn die Rechtslage unklar ist. Wer eindeutige Antworten braucht, wird unzufrieden. Verlangt wird außerdem die Fähigkeit, juristische Begründungen so zu kürzen, dass eine Führungskraft in fünf Minuten entscheiden kann. Englisch ist in international tätigen Unternehmen Arbeitssprache.
Aussichten
Der Bedarf ist stabil und wächst dort, wo Regulierung zunimmt: Datenschutz, Lieferkettenpflichten, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Vergabe- und Beihilferecht. Verbände, Kassen, Kammern, Hochschulen, Behörden und mittelständische Unternehmen suchen kontinuierlich. Entwicklungswege führen zur Leitung eines Referats oder der Rechtsabteilung, in Compliance- oder Datenschutzfunktionen, in die Geschäftsführung von Verbänden oder zurück in die Anwaltschaft. Die Konkurrenz um attraktive Stellen bleibt hoch, weil jedes Jahr mehr Juristen die Universitäten verlassen, als Kanzleien und Justiz aufnehmen.