Rechtsanwaltsfachangestellte*r
Rechtsanwaltsfachangestellte organisieren den Betrieb einer Anwaltskanzlei: Sie führen Akten, berechnen Gebühren und Fristen, schreiben Schriftsätze nach Diktat und betreuen Mandanten am Telefon und am Empfang.
25 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Rechtsanwaltsfachangestellte*r verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.200 € | 2.500 € | 2.900 € | 30.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 2.600 € | 3.100 € | 3.600 € | 37.200 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.100 € | 3.700 € | 4.700 € | 44.400 € |
Einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag gibt es nicht; die Kammern veröffentlichen lediglich Gehaltsempfehlungen, an die sich Kanzleien halten können oder nicht. Entscheidend sind Kanzleigröße, Region und Fachgebiet: Großsozietäten in München, Frankfurt oder Hamburg zahlen deutlich mehr als kleine Kanzleien in ländlichen Regionen, im öffentlichen Dienst richtet sich die Vergütung nach dem TVöD beziehungsweise TV-L.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht eine Rechtsanwaltsfachangestellte?
Der Beruf hält den Kanzleibetrieb zusammen. Rechtsanwaltsfachangestellte legen Akten an, erfassen Mandate, überwachen den Posteingang und tragen Fristen und Termine in den Kalender ein. Sie schreiben Schriftsätze nach Diktat oder Vorlage, prüfen Anlagen, versenden Dokumente über das besondere elektronische Anwaltspostfach und reichen Klagen und Anträge bei Gerichten ein. Ein großer Teil der Arbeit ist Rechnungswesen: Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz berechnen, Kostenfestsetzungsanträge stellen, Gerichtskosten und Vorschüsse abrechnen, offene Posten anmahnen. In Kanzleien mit Forderungseinzug kommt das Mahn- und Zwangsvollstreckungsverfahren dazu, vom Mahnbescheid bis zur Vermögensauskunft.
Daneben ist der Beruf ein Kommunikationsberuf. Mandanten rufen an, wollen wissen, wie es um ihre Sache steht, sind aufgebracht oder verzweifelt. Gerichte, Versicherungen, Gegenanwälte und Gutachter melden sich. Rechtsanwaltsfachangestellte sortieren, was sofort zum Anwalt muss, und was sie selbst beantworten können. Sie unterliegen dabei der Schweigepflicht.
Wie wird man Rechtsanwaltsfachangestellte?
Üblich ist die dreijährige duale Ausbildung in einer Kanzlei mit Berufsschulunterricht, geregelt und geprüft von der jeweiligen Rechtsanwaltskammer. Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, in der Praxis wird meist mittlere Reife oder Abitur erwartet. Bei guten Leistungen ist eine Verkürzung auf zweieinhalb oder zwei Jahre möglich. Es gibt außerdem die Varianten Notarfachangestellte und die doppelqualifizierende Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten.
Der Quereinstieg kommt vor, vor allem aus dem Büro- oder Verwaltungsbereich oder von Personen mit abgebrochenem Jurastudium. Er ist möglich, aber mühsam, weil Fristenrecht und Gebührenberechnung ohne Anleitung schwer zu lernen sind und Fehler dort teuer werden.
Was der Beruf verlangt
Fristen sind der Kern des Berufs und die größte Belastung. Eine versäumte Rechtsmittelfrist kann einen Prozess verlieren und Haftungsansprüche auslösen, deshalb wird an dieser Stelle sehr genau kontrolliert. Wer schludrig arbeitet oder unter Druck den Überblick verliert, ist hier falsch. Die Arbeit ist überwiegend sitzend am Bildschirm, oft in kleinen Kanzleien mit wenig Personal, wo Urlaub und Krankheit spürbar auffallen. Regelarbeitszeiten sind üblich, kurz vor Fristabläufen wird es aber hektisch, Überstunden kommen vor.
Unangenehm ist häufig der Umgang mit Mandanten, die schlechte Nachrichten bekommen oder ihre Rechnung nicht zahlen. Der Ton in manchen Kanzleien ist hierarchisch. Die Bezahlung gilt im Verhältnis zur Verantwortung als niedrig, das ist ein wesentlicher Grund für die hohe Zahl unbesetzter Stellen.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil, weil deutlich weniger ausgebildet wird als gebraucht. Wer Fristen und RVG sicher beherrscht, findet fast überall eine Stelle und kann Bedingungen mitverhandeln. Spezialisierung lohnt: Zwangsvollstreckung, Familien- oder Arbeitsrecht, Insolvenzverwaltung, Medizinrecht. Weiterbildungen führen zur geprüften Rechtsfachwirtin, zur Bürovorsteherin oder in das Kanzleimanagement mit Personal- und Buchhaltungsverantwortung. Auch Rechtsabteilungen von Unternehmen, Versicherungen, Inkassodienstleister und Gerichte stellen Bewerber mit dieser Ausbildung ein. Routineaufgaben wie Aktenanlage und Fristenberechnung werden zunehmend softwaregestützt, das verschiebt die Arbeit stärker zu Prüfung, Abrechnung und Mandantenbetreuung.
Aufgaben
- Akten anlegen, führen und Wiedervorlagen überwachen
- Fristen und Termine berechnen, eintragen und kontrollieren
- Schriftsätze nach Diktat erstellen und versandfertig machen
- Gebühren und Kosten nach RVG abrechnen, Rechnungen und Mahnungen erstellen
- Mahn- und Zwangsvollstreckungsverfahren bearbeiten
- Dokumente über das beA an Gerichte und Behörden übermitteln
- Mandanten am Telefon und am Empfang betreuen
- Postein- und -ausgang bearbeiten, Kanzleiorganisation unterstützen
Voraussetzungen
- abgeschlossene Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten oder vergleichbare Kenntnisse
- sehr genaues, zuverlässiges Arbeiten, besonders beim Fristenwesen
- gutes Deutsch in Rechtschreibung und Ausdruck, sicheres Tippen
- Grundverständnis für Rechtsbegriffe, Verfahrensabläufe und Zahlen
- Sicherheit im Umgang mit Kanzleisoftware und Office-Programmen
- Verschwiegenheit und Belastbarkeit im Kontakt mit fordernden Mandanten
Wo man arbeitet
- Rechtsanwaltskanzleien vom Einzelanwalt bis zur Großsozietät
- Notariate und Anwaltsnotariate
- Rechtsabteilungen von Unternehmen und Versicherungen
- Inkasso- und Insolvenzverwalterbüros
- Gerichte, Verbände und Behörden
Der Weg in den Beruf
Standardweg ist die dreijährige duale Ausbildung in einer Kanzlei mit Berufsschule, abgeschlossen mit der Prüfung vor der Rechtsanwaltskammer. Bei guten Leistungen ist eine Verkürzung auf bis zu zwei Jahre möglich. Danach kann man sich über die Fortbildung zur geprüften Rechtsfachwirtin weiterqualifizieren.
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