Was macht ein Projektleiter Objektüberwachung?
Objektüberwachung ist die Leistungsphase 8 der HOAI: die Bauausführung. Der Projektleiter in diesem Bereich sorgt dafür, dass gebaut wird, was geplant, beauftragt und bezahlt wurde. Konkret heißt das: Baustellenbegehungen, Abgleich der Ausführung mit Plänen und Leistungsverzeichnis, Führen des Bautagebuchs, Leitung der wöchentlichen Baubesprechung mit Rohbauer, Elektriker, Trockenbauer und Haustechnik. Dazu kommt der kaufmännische Teil, der oft den größeren Zeitanteil ausmacht: Aufmaße prüfen, Abschlagsrechnungen der Nachunternehmer freigeben oder kürzen, Nachträge bewerten und mit dem Auftraggeber abstimmen, Kostenstand fortschreiben, Terminpläne aktualisieren und Verzüge dokumentieren.
Wer mehrere Baustellen parallel betreut, arbeitet zwischen Büro, Auto und Baucontainer. Ein üblicher Tag: morgens Begehung mit Fotodokumentation, mittags Bauleiterbesprechung, nachmittags Nachtragsprüfung und Mängelschreiben. Bei Abnahmen führt der Projektleiter das Protokoll, setzt Fristen zur Mängelbeseitigung und übergibt am Ende die Dokumentation an den Bauherrn.
Wie wird man Projektleiter Objektüberwachung?
Der häufigste Weg führt über ein Studium in Bauingenieurwesen, Architektur, Baumanagement oder Wirtschaftsingenieurwesen Bau, gefolgt von einigen Jahren als Bauüberwacher oder Bauleiter. Auch Bautechniker und Meister aus dem Bauhauptgewerbe erreichen die Position, wenn sie Erfahrung in Abrechnung und Vertragsrecht mitbringen. Für Kaufleute ohne Bautechnik ist der Einstieg schwierig, aber möglich über Projektsteuerung und Baukostencontrolling, meist begleitet von Weiterbildungen zu VOB/B, HOAI und AVA-Software. Vor der eigenen Projektleitung liegen in der Regel drei bis sechs Jahre Mitarbeit in fremden Projekten.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist konfliktreich. Nachunternehmer wollen Nachträge durchsetzen, der Bauherr will den Kostenrahmen halten, und beide Seiten erwarten eine klare Ansage. Wer Auseinandersetzungen scheut oder Entscheidungen aufschiebt, kommt hier nicht weit. Dazu gehört Haftungsdruck: Wer eine Rechnung ohne Prüfung freigibt oder einen Mangel nicht dokumentiert, verursacht Schaden, der zurückverfolgt wird.
Die Arbeitszeiten richten sich nach der Baustelle, also früher Beginn und in kritischen Phasen deutlich mehr als vierzig Stunden. Reisetätigkeit ist die Regel, bei überregionalen Projekten mit Übernachtungen. Homeoffice ist begrenzt möglich, die Begehung selbst nicht. Auf der Baustelle wird gestanden, gestiegen und in Rohbauten gelaufen, bei Regen und Kälte. Ein hoher Anteil der Arbeit besteht aus Schriftverkehr, der später Beweiswert haben muss, und das ermüdet mehr, als es zunächst klingt.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis hoch. Ingenieurbüros, Projektsteuerer und Bauherrenvertretungen finden seit Jahren zu wenig Personal für die Ausführungsphase, besonders für Sanierung im Bestand und öffentliche Auftraggeber. Der Wohnungsbau schwankt mit Zinsen und Förderung, Infrastruktur, Schulbau und energetische Sanierung dagegen laufen weiter.
Entwicklungswege führen in die Gesamtprojektleitung großer Bauvorhaben, in die Projektsteuerung nach AHO, ins Baucontrolling eines Konzerns oder ins technische Property Management. Spezialisierung auf technische Gebäudeausrüstung, Nachtragsmanagement oder Bauablaufstörungen wird gut bezahlt. Auch der Wechsel zum Bauherrn, etwa in ein kommunales Gebäudemanagement, ist üblich und bringt geregeltere Arbeitszeiten.