Was macht ein Projekt-Terminplaner?
Projekt-Terminplaner, oft auch Scheduler oder Terminmanager genannt, bauen aus Bauablaufbeschreibungen, Leistungsverzeichnissen und Lieferzeiten einen Terminplan auf. Sie legen Vorgänge an, hinterlegen Dauern und Ressourcen, verknüpfen Abhängigkeiten und berechnen daraus den kritischen Pfad. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: Fortschrittsmeldungen der Gewerke oder Teilprojekte einsammeln, Ist-Werte eintragen, Abweichungen sichtbar machen und Ausweichszenarien rechnen. Wenn ein Stahllieferant sechs Wochen später liefert, muss innerhalb eines Tages auf dem Tisch liegen, was das für die Inbetriebnahme bedeutet und welche Vorgänge sich vorziehen lassen.
Gearbeitet wird meist mit Primavera P6, MS Project, Tilos oder branchenspezifischen Werkzeugen. Ein großer Teil des Tages besteht aus Gesprächen: mit Bauleitern, Fachplanern, Einkauf und Auftraggeberseite. Terminplaner haben selten Weisungsbefugnis, müssen aber belastbare Zahlen aus Leuten herausbekommen, die gerade andere Sorgen haben. Dazu kommt die Dokumentation für Nachtragsforderungen und Schriftverkehr, weil Terminpläne im Streitfall Beweismittel sind.
Wie wird man Projekt-Terminplaner?
Es gibt keine eigene Ausbildung. Der übliche Weg führt über ein Studium in Bauingenieurwesen, Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, Architektur oder Projektmanagement, seltener über eine kaufmännische Ausbildung mit anschließender Weiterbildung. Viele kommen aus der Bauleitung oder der Montageplanung und wechseln nach einigen Jahren in die Terminplanung, weil sie die Abläufe aus der Praxis kennen. Genau diese Praxiskenntnis ist der Kern der Qualifikation: Ein Plan, der Betonaushärtung oder Rüstzeiten ignoriert, ist wertlos.
Quereinstieg gelingt am ehesten in großen Projekthäusern, die intern schulen. Zertifikate wie IPMA Level D bis B, PMP oder Primavera-Herstellerschulungen sind gängig und werden in Stellenanzeigen häufig verlangt. Englisch ist bei internationalen Projekten Arbeitssprache.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf lebt von Genauigkeit und der Fähigkeit, unangenehme Nachrichten früh und deutlich auszusprechen. Terminplaner sind regelmäßig die Person, die einem Projektleiter sagt, dass der zugesagte Termin nicht mehr zu halten ist. Wer Konflikte scheut, sitzt hier falsch. Zu Projektmeilensteinen, bei Nachtragsverhandlungen oder in Krisenphasen entstehen lange Arbeitstage, teils auch Wochenendarbeit.
Je nach Arbeitgeber gehört Reisetätigkeit oder Baustelleneinsatz dazu, manche Stellen sind als Entsendung an einen Projektstandort ausgeschrieben, im Ausland auch über Monate. Die Arbeit ist überwiegend Bildschirmarbeit mit hoher Detailtiefe; Terminpläne mit mehreren Tausend Vorgängen zu pflegen, verlangt Ausdauer. Frustrierend ist für viele, dass die Datenqualität von der Mitwirkung anderer abhängt und Pläne trotz sauberer Arbeit von der Realität überholt werden.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in Infrastruktur, Energie- und Anlagenbau eher steigend, weil Projekte größer, verzahnter und vertraglich strittiger werden. Erfahrene Terminplaner mit Primavera-Kenntnissen und Claim-Erfahrung sind knapp. Entwicklungswege führen in die Leitung eines Project-Controls-Teams, in die Verbindung von Termin- und Kostensteuerung, in die Bauablaufanalyse als Gutachter oder in die Projektleitung. Auch die selbstständige Tätigkeit als Berater für gestörte Bauabläufe ist ein verbreiteter Weg.