Was macht ein Polier im Tiefbau?
Der Polier ist die Schnittstelle zwischen Bauleitung und Kolonne. Er beginnt den Tag meist vor den Arbeitern auf der Baustelle, verteilt die Arbeit, weist Baggerfahrer, Rohrleger und Straßenbauer ein und prüft, ob Material, Geräte und Absperrungen bereitstehen. Er liest Lagepläne, Höhen- und Kanalprofile, überträgt Achsen und Höhen mit Nivelliergerät oder Rotationslaser, kontrolliert Grabenverbau und Rohrgefälle und dokumentiert, was gebaut wurde.
Dazu kommt viel Organisation: Beton, Splitt, Rohre und Schachtringe abrufen, Lieferungen annehmen, Nachunternehmer koordinieren, Bautagebuch führen, Stundenlisten und Aufmaße erstellen, Behinderungen und Zusatzleistungen melden. Bei Arbeiten im öffentlichen Verkehrsraum stimmt er sich mit Anwohnern, Versorgungsunternehmen und der Verkehrsbehörde ab. Und er ist derjenige, der eingreift, wenn eine unbekannte Leitung im Graben auftaucht oder der Verbau nicht sitzt.
Wie wird man Polier im Tiefbau?
Am Anfang steht in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung im Bauhauptgewerbe, etwa als Straßenbauer, Rohrleitungsbauer, Kanalbauer oder Tiefbaufacharbeiter. Danach folgen mehrere Jahre Praxis auf der Baustelle, häufig zunächst als Vorarbeiter. Der eigentliche Aufstieg läuft über die Fortbildung zum Geprüften Polier im Bereich Tiefbau vor der Handwerkskammer oder Industrie- und Handelskammer, meist an einer Bauakademie in Vollzeit über einige Monate oder berufsbegleitend über etwa zwei Jahre. Alternativ führt der Weg über den Werkpolier oder den Meister im Straßenbauer- beziehungsweise Rohrleitungsbauerhandwerk. Ein Quereinstieg ohne Baupraxis ist praktisch ausgeschlossen, weil die Autorität auf der Baustelle über fachliches Können entsteht.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet draußen statt, bei Frost, Hitze und Regen, oft an Straßen unter laufendem Verkehr, im Lärm und Staub. Die Arbeitstage sind lang: Baustellenbeginn um sieben Uhr, danach Papierkram, in der Saison regelmäßig Überstunden und Samstagseinsätze. Montagearbeit mit Übernachtung ist bei überregional tätigen Firmen üblich. Körperlich ist die Belastung geringer als bei der Kolonne, aber der Polier packt oft mit an.
Schwer fällt vielen die Doppelrolle: Er trägt Verantwortung für Termine und Kosten, gleichzeitig für die Sicherheit von Menschen, die er selbst anleitet, mit denen er aber auch jahrelang zusammengearbeitet hat. Konflikte mit Nachunternehmern, Zeitdruck und ungenaue Planunterlagen gehören zum Alltag. Wer nicht klar ansprechen kann, dass ein Graben so nicht betreten wird, ist an dieser Stelle falsch. Deutsch auf gutem Niveau, ein Führerschein und Verständnis für Vorschriften wie die DGUV-Regeln und die RSA sind Pflicht.
Aussichten
Qualifizierte Poliere sind knapp. Infrastruktur, Kanalsanierung, Glasfaser- und Leitungsbau sowie Netzausbau sorgen für stabile Auftragslage, während viele erfahrene Poliere in den nächsten Jahren in Rente gehen. Wer den Abschluss hat, findet in der Regel schnell eine Stelle und kann den Arbeitgeber wechseln, ohne lange zu suchen.
Entwicklungswege führen zum Oberpolier mit mehreren Baustellen, in die Bauleitung, in die Kalkulation oder zur Fachkraft für Arbeitssicherheit. Mit dem Polierabschluss steht auch ein Bauingenieurstudium offen. Manche machen sich mit einem eigenen kleinen Tiefbaubetrieb selbstständig.