Was macht ein Planungskoordinator Ingenieur- und Infrastrukturbau?
Bei einem Brückenneubau, einer Ortsumfahrung oder der Elektrifizierung einer Bahnstrecke arbeiten Tragwerksplaner, Geotechniker, Verkehrsplaner, Vermesser, Umweltgutachter, Elektro- und Leittechniker gleichzeitig an einem Projekt. Der Planungskoordinator sorgt dafür, dass deren Ergebnisse zusammenpassen und in der richtigen Reihenfolge entstehen. Er zerlegt das Projekt in Planungspakete, schreibt Terminpläne, prüft eingehende Pläne auf Vollständigkeit und Widersprüche, führt Kollisionsprüfungen im BIM-Modell durch und dokumentiert Entscheidungen so, dass sie später nachvollziehbar sind.
Ein großer Teil der Arbeit besteht aus Kommunikation: Besprechungen mit dem Bauherrn, Abstimmungen mit Genehmigungsbehörden, Leitungsträgern und Anrainern, Nachfragen bei Gutachtern, Verhandlungen über Nachträge mit Planungsbüros. Dazu kommen Kostenverfolgung, Mitwirkung an Vergabeunterlagen und die Vorbereitung von Genehmigungsanträgen nach Fachplanungsrecht. Baustellenbesuche gehören dazu, der Arbeitsplatz ist aber überwiegend das Büro.
Wie wird man Planungskoordinator Ingenieur- und Infrastrukturbau?
Üblich ist ein Studium des Bauingenieurwesens, häufig mit Schwerpunkt Konstruktiver Ingenieurbau, Verkehrswesen oder Wasserbau, als Bachelor oder Master. Auch Studiengänge in Infrastrukturmanagement, Geotechnik oder Baubetrieb führen hinein. Der Einstieg erfolgt fast immer über eine Fachplanungs- oder Bauleitungstätigkeit; Koordinationsaufgaben übernimmt man nach einigen Jahren, wenn man Abläufe, Normen und Vertragsrecht kennt. Ein Quereinstieg ist für erfahrene Techniker und Bauleiter mit Weiterbildung im Projektmanagement möglich, in vielen Häusern jedoch mit begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten. Kenntnisse in HOAI, VOB, BIM-Methodik und Projektsteuerungssoftware werden erwartet und oft berufsbegleitend erworben.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist selten planbar. Fristen der Genehmigungsbehörden, verspätete Gutachten, Änderungswünsche des Bauherrn und Einsprüche verschieben Terminketten, die dennoch gehalten werden sollen. Überstunden vor Abgabeterminen sind normal, Wochenendarbeit kommt vor. Wer Konflikte scheut, tut sich schwer: Der Koordinator muss Verzögerungen ansprechen, Nachlässigkeiten benennen und unangenehme Nachrichten weitergeben, ohne die Zusammenarbeit zu zerstören. Formale Genauigkeit ist Pflicht, weil Planungsfehler auf der Baustelle teuer werden und haftungsrelevant sind. Öffentliche Auftraggeber bringen zusätzlich viel Bürokratie und lange Entscheidungswege mit. Belastend empfinden viele, dass Projekte Jahre laufen und Erfolge spät sichtbar werden. Dienstreisen zu Projektstandorten sind je nach Arbeitgeber häufig.
Aussichten
Der Sanierungsstau bei Brücken, Straßen, Schienen und Wasserinfrastruktur sichert auf Jahre Nachfrage, ebenso Investitionsprogramme des Bundes und der Bahn. Ingenieurbüros, Bauunternehmen und öffentliche Verwaltungen suchen gleichzeitig, qualifizierte Bewerber sind knapp. Entwicklungswege führen zur Projektleitung größerer Maßnahmen, in die Projektsteuerung auf Bauherrenseite, in die BIM-Gesamtkoordination oder in die technische Leitung einer Abteilung. Wer sich auf ein Fachgebiet wie Bahnbau, Tunnelbau oder Wasserbau festlegt, wird gesucht, bindet sich aber an eine überschaubare Zahl von Arbeitgebern. Selbstständige Tätigkeit als Projektsteuerer ist nach langer Berufserfahrung möglich.