Was macht ein Pharmareferent?
Pharmareferenten, im Arzneimittelgesetz Pharmaberater genannt, sind das Bindeglied zwischen einem Arzneimittelhersteller und den Menschen, die Medikamente verordnen oder abgeben. Der Arbeitsalltag besteht überwiegend aus Terminen: Gespräche in Arztpraxen, Visiten in Kliniken, Besuche in Apotheken. In diesen oft kurzen Gesprächen werden Wirkmechanismus, Studienlage, Dosierung, Nebenwirkungen und Erstattungsfragen eines Präparats erklärt.
Zwischen den Terminen liegt Schreibtischarbeit: Besuchsberichte im CRM-System erfassen, Termine planen, Fachliteratur und neue Studien lesen, Meldungen über Nebenwirkungen an die Arzneimittelsicherheit des Unternehmens weiterleiten. Dazu kommen Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte, Standdienst auf Fachkongressen und regelmäßige Zyklustagungen mit dem eigenen Team. Ein Gebiet umfasst je nach Fachrichtung und Präparat zwischen wenigen Landkreisen und einem halben Bundesland.
Wie wird man Pharmareferent?
Der Zugang ist im Arzneimittelgesetz geregelt. Als Sachkenntnis gilt ein abgeschlossenes Studium der Pharmazie, Medizin, Veterinärmedizin, Biologie, Chemie oder eines vergleichbaren naturwissenschaftlichen Fachs. Alternativ genügt eine Ausbildung als geprüfter Pharmareferent, die an privaten Fachschulen und Akademien in Vollzeit meist ein Jahr, berufsbegleitend zwei Jahre dauert und mit einer staatlich anerkannten Prüfung endet. Auch Apothekerinnen, PTA und medizinisch-technische Assistenten mit entsprechender Zusatzqualifikation kommen in Frage.
Quereinstieg ist verbreitet, aber nicht voraussetzungsfrei: Ohne nachgewiesene Sachkenntnis darf niemand als Pharmaberater tätig sein. Wer aus dem Vertrieb kommt, holt die Prüfung nach; wer aus der Wissenschaft kommt, lernt das Verkaufen im Unternehmen. Die Einarbeitung besteht aus Produktschulungen, Begleitfahrten und internen Zertifizierungen, etwa nach dem Standard des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist ein Reiseberuf. Wer kein Kilometerpensum im Auto verträgt, wird damit nicht glücklich. Übernachtungen außer Haus gehören in großen Gebieten dazu. Die Zielvorgaben sind messbar und werden gemessen: Besuchsfrequenz, Verordnungszahlen im Gebiet, Marktanteile. Bonuszahlungen hängen daran, der Druck ebenfalls.
Hinzu kommt, dass Ärztinnen wenig Zeit haben. Gespräche dauern manchmal drei Minuten zwischen zwei Patienten, Termine platzen, Ablehnung ist Alltag. Die rechtlichen Grenzen sind eng: Das Heilmittelwerbegesetz regelt genau, was gesagt und was zugewendet werden darf, Verstöße haben Folgen für Unternehmen und Person. Fachlich muss man belastbar sein, denn ein Onkologe erkennt sofort, ob das Gegenüber die Studie gelesen hat oder nur die Broschüre.
Aussichten
Die Zahl der klassischen Außendienststellen ist über Jahre gesunken, weil Unternehmen Vertriebslinien zusammenlegen und digitale Kanäle ausbauen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Spezialisten für erklärungsbedürftige Therapiegebiete wie Onkologie, Neurologie, Immunologie und seltene Erkrankungen; dort werden gezielt Leute mit naturwissenschaftlichem oder medizinischem Hintergrund gesucht. Entwicklungswege führen in die Betreuung von Kliniken und Fachzentren, in die medizinisch-wissenschaftliche Beratung, ins Key-Account-Management gegenüber Krankenkassen und Einkaufsverbünden, in Marketing und Market Access oder in die Regionalleitung eines Außendienstteams.