Pflegefachkraft Wundexperte
Pflegefachkräfte mit Weiterbildung zum Wundexperten versorgen chronische und komplexe Wunden, wählen Verbandstoffe aus und dokumentieren den Heilungsverlauf. Sie beraten Kollegen, Ärzte und Betroffene zur Wundbehandlung.
22 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Pflegefachkraft Wundexperte verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.000 € | 3.400 € | 3.800 € | 40.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.400 € | 3.900 € | 4.400 € | 46.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.900 € | 4.400 € | 5.200 € | 52.800 € |
In öffentlichen Kliniken richtet sich die Bezahlung nach dem TVöD-P, meist P 7 bis P 9, bei kirchlichen Trägern nach AVR Caritas oder AVR Diakonie; privat geführte Pflegedienste zahlen häufig darunter. Die Weiterbildung allein bringt selten eine höhere Eingruppierung, spürbar wird sie vor allem bei ausgewiesenen Stellen im Wundmanagement, bei Homecare-Anbietern und über Schicht- und Wochenendzulagen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht eine Pflegefachkraft mit Weiterbildung Wundexperte?
Im Zentrum steht die Versorgung von Wunden, die nicht innerhalb weniger Wochen heilen: Druckgeschwüre, diabetische Fußulzera, offene Beine bei Venenleiden, aufgeplatzte Operationsnarben, Tumorwunden. Die Wundexpertin beurteilt die Wunde nach Größe, Tiefe, Gewebeart, Geruch und Exsudatmenge, fotografiert und vermisst sie, reinigt sie, entfernt abgestorbenes Gewebe und legt eine Wundauflage an, die zur Heilungsphase passt. Sie legt Kompressionsverbände an, entlastet Druckstellen und stimmt sich mit der behandelnden Ärztin über Antibiotika, Abstriche oder eine Vorstellung in der Chirurgie ab.
Ein großer Teil der Arbeit ist Beratung und Koordination. Wundexperten schulen Pflegeteams im Umgang mit Verbandstoffen, überprüfen Versorgungsstandards, bestellen Material und begleiten Patienten und Angehörige, die zu Hause weiterverbinden müssen. Häufig kommt Ernährungsberatung, Schmerzerfassung und Beratung zu Bewegung und Schuhwerk dazu, weil eine Wunde selten allein durch Auflagen heilt.
Wie wird man Pflegefachkraft mit Weiterbildung Wundexperte?
Grundlage ist die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, alternativ ein Abschluss als Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Altenpflegerin. Darauf folgt eine Weiterbildung, meist der Kurs Wundexperte ICW mit rund 56 Unterrichtsstunden, Hausarbeit und Prüfung; darauf aufbauend sind Fachtherapeut Wunde ICW oder Pflegetherapeut Wunde möglich. Viele Arbeitgeber verlangen mindestens ein Jahr Berufserfahrung vor der Weiterbildung. Das Zertifikat muss regelmäßig durch Fortbildungspunkte erneuert werden. Ein Quereinstieg ohne Pflegeexamen ist nicht möglich, weil die Wundversorgung eine pflegerische oder medizinische Grundqualifikation voraussetzt.
Was der Beruf verlangt
Wunden sehen und riechen unangenehm; Ekel darf nicht die Oberhand gewinnen. Die Arbeit findet oft in gebeugter Haltung statt, Kompressionsverbände kosten Kraft, und im Pflegealltag kommt Zeitdruck dazu. Wer in der Klinik oder im Heim arbeitet, bleibt meist im Schichtdienst mit Wochenend- und Feiertagsdiensten eingebunden; reine Wundmanagement-Stellen mit Tagdienst sind noch die Ausnahme und häufig an Wundzentren, Ambulanzen oder Homecare-Unternehmen angesiedelt.
Belastend ist auch, dass viele chronische Wunden über Monate oder Jahre bestehen und trotz guter Versorgung nicht zuheilen. Manche Patienten halten Kompression oder Entlastung nicht ein. Dazu gehört Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, kleine Fortschritte als Erfolg zu sehen. Fachlich wird laufend Aktualisierung erwartet, weil sich Produkte und Leitlinien schnell ändern. Wer Kollegen anleitet, braucht Standfestigkeit gegenüber eingespielten, aber überholten Gewohnheiten.
Aussichten
Die Zahl chronischer Wunden steigt mit dem Alter der Bevölkerung und der Verbreitung von Diabetes, während Pflegekräfte insgesamt knapp sind. Wundexperten werden in Kliniken, ambulanten Diensten, Pflegeheimen, bei Homecare-Versorgern und in Praxen gesucht; Bewerber mit Zertifikat haben regelmäßig die Wahl zwischen mehreren Angeboten. Entwicklungswege führen über den Fachtherapeuten Wunde zur Leitung eines Wundmanagements, in die Beratung und den Vertrieb bei Herstellern von Verbandstoffen, in die Referententätigkeit oder über ein Pflegestudium in Pflegewissenschaft und Qualitätsmanagement. Eine eigene Wundberatung auf freiberuflicher Basis ist möglich, hängt aber stark von Kooperationen mit Ärzten und Kostenträgern ab.
Aufgaben
- Wunden beurteilen, vermessen, fotografieren und dokumentieren
- Wundreinigung und Débridement im Rahmen der Delegation durchführen
- Verbandstoffe und Wundauflagen phasengerecht auswählen und wechseln
- Kompressionsverbände anlegen und Druckentlastung organisieren
- Schmerzsituation erfassen und mit dem ärztlichen Dienst abstimmen
- Patienten und Angehörige zur Versorgung zu Hause anleiten
- Pflegeteams schulen und Wundstandards im Betrieb überprüfen
- Materialbedarf planen, Rezepte und Verordnungen koordinieren
Voraussetzungen
- Abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachfrau, Pflegefachmann, Gesundheits- und Krankenpflegerin oder Altenpflegerin
- Zertifikatskurs Wundexperte, meist nach ICW-Standard, mit regelmäßiger Rezertifizierung
- Meist mindestens ein Jahr Berufserfahrung in der Pflege
- Belastbarkeit gegenüber Gerüchen, Wundsekret und stark verändertem Gewebe
- Genaues Dokumentieren und Bereitschaft, Leitlinien laufend nachzuarbeiten
- Sicheres Auftreten in der Beratung von Kollegen, Ärzten und Angehörigen
- Körperliche Belastbarkeit für gebeugtes Arbeiten und Kompressionsversorgung
- Für ambulante Stellen häufig Führerschein Klasse B
Wo man arbeitet
- Krankenhäuser und Wundzentren
- Ambulante Pflegedienste
- Pflegeheime und Einrichtungen der Langzeitpflege
- Homecare-Unternehmen und Sanitätshäuser
- Arztpraxen und Wundambulanzen
- Rehabilitationskliniken
Der Weg in den Beruf
Zunächst drei Jahre duale Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann mit staatlicher Abschlussprüfung. Danach folgt der Zertifikatskurs Wundexperte mit etwa 56 Unterrichtsstunden, Hausarbeit und Prüfung, oft nach einem Jahr Praxis. Aufbauend sind Fachtherapeut Wunde ICW oder Pflegetherapeut Wunde mit mehreren Hundert Stunden möglich.
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