Was macht ein PE-HD Schweißer?
PE-HD ist der Kunststoff, aus dem heute die meisten Trinkwasser-, Abwasser-, Gas- und Fernwärmeleitungen bestehen. Er lässt sich nicht kleben und nicht schrauben, sondern nur durch Wärme dauerhaft verbinden. Genau das ist die Aufgabe: Rohre ablängen, die Enden planfräsen, mit einem Reinigungsmittel entfetten, in die Heizelement-Stumpfschweißmaschine spannen, Anwärm- und Fügedruck sowie Zeiten nach dem Schweißprotokoll einhalten und die Naht abkühlen lassen, ohne dass die Verbindung bewegt wird. Bei Abzweigen, engen Gräben und Reparaturen kommt das Heizwendelschweißen zum Einsatz: Elektroschweißmuffen und Anbohrarmaturen werden mit dem Schweißgerät über einen Barcode angesteuert.
Daneben gehört alles dazu, was auf einer Rohrleitungsbaustelle anfällt: Leitungsstränge im Graben ausrichten, Bögen und Formteile einbauen, Druckproben vorbereiten und begleiten, Schweißprotokolle führen, Wulstformen kontrollieren, Zeltbauten oder Wetterschutz aufbauen, Aggregate und Maschinen warten. Wer im grabenlosen Bau arbeitet, zieht lange PE-Stränge für Relining- oder Berstlining-Verfahren zusammen.
Wie wird man PE-HD Schweißer?
Es gibt keinen eigenen Ausbildungsberuf. Der übliche Weg führt über eine Ausbildung zum Rohrleitungsbauer, Tiefbaufacharbeiter, Anlagenmechaniker oder Industriemechaniker, danach folgen die Schweißerprüfungen für Kunststoffe. Verlangt wird in der Regel die Kunststoffschweißerprüfung nach DVGW GW 330 beziehungsweise DVS 2212, getrennt nach Verfahren Heizelement-Stumpfschweißen und Heizwendelschweißen. Die Kurse dauern je Verfahren einige Tage bis zwei Wochen und werden bei Schweißtechnischen Lehranstalten oder DVGW-Kursstätten abgelegt. Die Bescheinigung ist befristet und muss regelmäßig verlängert werden.
Quereinstieg ist verbreitet. Viele Betriebe nehmen Bauhelfer oder Metallhandwerker mit Baustellenerfahrung, schicken sie in den Lehrgang und lassen sie zunächst als zweiten Mann am Graben mitlaufen. Ohne gültigen Nachweis darf jedoch niemand allein schweißen, denn die Netzbetreiber verlangen den Prüfschein bei jeder Abnahme.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet draußen statt, das ganze Jahr über. Regen, Frost und Hitze verändern die Schweißparameter, deshalb wird mit Zelt und Heizung gearbeitet oder gar nicht. Der Rohrgraben ist eng, staubig und laut, gearbeitet wird kniend, gebückt und häufig im Zwangsraum. Rohre in großen Durchmessern sind schwer, Maschinen und Aggregate müssen bewegt werden. Montage auf wechselnden Baustellen bedeutet lange Anfahrten, oft Wochenmontage mit Übernachtung, in Bereitschafts- und Havariefällen auch Nachtarbeit oder Wochenende.
Zugleich ist die Tätigkeit sehr genau. Eine schlecht vorbereitete Fügefläche, ein Fingerabdruck oder ein paar Sekunden zu kurze Abkühlzeit führen zu einer Naht, die Jahre später bricht. Wer Protokolle als Papierkram abtut, ist hier falsch. Sauberkeit, Geduld und die Bereitschaft, eine Verbindung wieder aufzuschneiden, wenn Zweifel bestehen, sind Kern des Berufs.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und eher steigend: Wassernetze sind vielerorts überaltert, Fernwärme wird ausgebaut, Glasfaser- und Leerrohrtrassen benötigen PE-Systeme. Fachkräfte mit gültigen GW-330-Nachweisen sind knapp, was die Verhandlungsposition verbessert. Entwicklungswege führen über Vorarbeiter und Bauvorarbeiter zum Kolonnenführer, weiter zum Werkmeister oder Vorarbeiter Rohrleitungsbau, zum geprüften Schweißaufsichtspersonal für Kunststoffe oder in die Bauleitung. Wer zusätzlich Metallschweißprüfungen und Stahlrohr-Erfahrung hat, ist auf Gas- und Fernwärmebaustellen deutlich breiter einsetzbar.