Was macht ein operativer Einkäufer eCommerce?
Der operative Einkauf setzt um, was der strategische Einkauf verhandelt hat. Konkret heißt das: Bestellvorschläge aus dem Warenwirtschaftssystem prüfen, Bestellmengen anpassen, Aufträge an Hersteller und Pharmagroßhändler auslösen, Auftragsbestätigungen abgleichen und Liefertermine nachverfolgen. Wer bei einer Versandapotheke arbeitet, hat es mit einem Sortiment von mehreren zehntausend Artikeln zu tun, von rezeptfreien Arzneimitteln über Nahrungsergänzung bis zu Kosmetik und Babynahrung. Ein Teil davon ist erklärungsbedürftig und rechtlich reguliert, etwa was Chargenverfolgung, Verfallsdaten oder Kühlkette betrifft.
Dazu kommt die Arbeit an den Daten. Neue Artikel werden im System angelegt, Einkaufspreise und Konditionen hinterlegt, Aktionsmengen für Kampagnen vorbereitet, Reichweiten und Überbestände analysiert. Bei Lieferengpässen, die im Arzneimittelmarkt regelmäßig auftreten, sucht der Einkauf Alternativen, informiert Category Management und Kundenservice und entscheidet, ob ein Artikel im Shop deaktiviert wird. Reklamationen, Retouren an Lieferanten und Rechnungsdifferenzen landen ebenfalls auf diesem Schreibtisch.
Wie wird man operativer Einkäufer eCommerce?
Der häufigste Weg führt über eine kaufmännische Ausbildung, etwa als Kaufmann im E-Commerce, Kaufmann im Groß- und Außenhandelsmanagement oder Industriekaufmann. Auch ein Studium in Betriebswirtschaft, Handelsmanagement oder Wirtschaftsinformatik ist verbreitet, vor allem wenn später Führungs- oder Steuerungsaufgaben dazukommen sollen. Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte und PTA wechseln gelegentlich aus der Offizin in den Einkauf einer Versandapotheke und bringen dann Sortimentswissen mit, das sonst erst aufgebaut werden muss.
Quereinstieg ist möglich, meist aus Disposition, Supply Chain oder Vertriebsinnendienst. Entscheidend sind sichere Kenntnisse in Excel und einem ERP-System sowie die Bereitschaft, sich in Arzneimittelrecht und Sortimentslogik einzuarbeiten. Bei Unternehmen mit niederländischem Standort, wie es bei Versandapotheken in Konzernstrukturen vorkommt, wird häufig Englisch verlangt, mitunter auch Niederländisch.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist Bildschirmarbeit mit hohem Detailanteil. Wer Zahlenreihen und Artikellisten schnell langweilig findet, wird damit Mühe haben. Fehler wirken sich unmittelbar aus: eine zu große Bestellung bindet Kapital und produziert Abschriften bei kurzen Restlaufzeiten, eine zu kleine führt zu leeren Shopseiten und Umsatzverlust. Der Terminrahmen ist eng, weil Bestellzyklen und Lieferantenschnittstellen feste Zeiten haben.
Die Arbeitszeiten liegen üblicherweise in Gleitzeit an Werktagen, Homeoffice-Anteile sind verbreitet. Belastungsspitzen entstehen zu Aktionsterminen, im Weihnachtsgeschäft, in der Erkältungssaison und bei Inventuren. Anstrengend ist vor allem die Dauerlage der Lieferengpässe: Man verhandelt und improvisiert regelmäßig um Ware, die schlicht nicht verfügbar ist, und muss das intern erklären.
Aussichten
Der Onlinehandel mit Gesundheitsprodukten wächst, und mit dem E-Rezept verschiebt sich weiterer Umsatz in den Versandhandel. Erfahrene operative Einkäufer mit Kenntnis im Arzneimittel- und Drogeriesortiment sind gesucht. Entwicklungswege führen in den strategischen Einkauf, ins Category Management, in die Supply-Chain-Planung oder in die Teamleitung. Wer sich in Datenanalyse oder Bestandsoptimierung vertieft, kann in Richtung Demand Planning gehen. Ein Wechsel in andere Handelsbranchen ist ohne großen Umweg möglich, weil die Werkzeuge dieselben bleiben.