Was macht ein Mitarbeiter Fertigungssteuerung?
Die Fertigungssteuerung entscheidet, in welcher Reihenfolge Produktionsaufträge durch die Werkhallen laufen. Grundlage sind Kundentermine, Stücklisten, Arbeitspläne und die verfügbare Kapazität von Maschinen und Schichten. Im ERP-System werden Aufträge eingeplant, freigegeben, terminiert und wieder umgeplant, wenn eine Anlage stillsteht, ein Zulieferer verspätet liefert oder ein Eilauftrag dazwischenkommt.
Der Tag beginnt meist mit einem Blick auf die Rückmeldungen der Vorschicht: Welche Arbeitsgänge sind fertig, wo hängt es, wie viel Ausschuss ist entstanden. Danach folgen Abstimmungen mit Meistern und Schichtführern, mit dem Einkauf über fehlende Teile, mit dem Vertrieb über Liefertermine, mit dem Lager über Materialbereitstellung. Fertigungsaufträge werden ausgedruckt oder digital bereitgestellt, Rückstände werden nachverfolgt, Kennzahlen wie Termintreue, Durchlaufzeit und Bestände werden gepflegt und berichtet.
Ein großer Teil der Arbeit ist Kommunikation unter Zeitdruck. Wer in der Fertigungssteuerung sitzt, muss zwischen widersprüchlichen Interessen vermitteln: Der Vertrieb will alles sofort, die Produktion will lange Serien ohne Umrüstung, der Einkauf will niedrige Bestände. Am Ende braucht es eine Entscheidung, die tragfähig ist und die man begründen kann.
Wie wird man Mitarbeiter Fertigungssteuerung?
Der häufigste Weg führt über eine gewerbliche oder kaufmännische Ausbildung in der Industrie, etwa als Industriekaufmann, Fachkraft für Lagerlogistik, Industriemechaniker oder Zerspanungsmechaniker, gefolgt von einem Wechsel in die Arbeitsvorbereitung. Auch Technische Betriebswirte, Industriemeister und Fachwirte für Logistik finden hier Stellen. Für größere Unternehmen wird oft ein Studium in Wirtschaftsingenieurwesen, Produktionstechnik oder Logistik verlangt.
Quereinstieg aus der Produktion ist verbreitet und wird von Betrieben geschätzt, weil Kenntnis der Maschinen und Abläufe kaum durch Theorie zu ersetzen ist. Wer aus der Werkhalle kommt, muss sich in ERP-Systeme wie SAP PP, proALPHA oder Microsoft Dynamics einarbeiten und mit Excel sicher umgehen können.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist geprägt von Störungen. Pläne halten selten einen ganzen Tag, und die Fertigungssteuerung ist die Stelle, an der Probleme aus allen Richtungen zusammenlaufen. Wer Ordnung und abgeschlossene Vorgänge braucht, wird damit schlecht zurechtkommen. Nötig sind Belastbarkeit, ein kühler Kopf bei Konflikten und die Fähigkeit, mit unvollständigen Informationen zu entscheiden.
Die Arbeitszeiten liegen meist in normaler Tagschicht, in Betrieben mit Mehrschichtbetrieb kommt Frühschicht ab sechs Uhr oder eine Rufbereitschaft dazu. Der Arbeitsplatz ist ein Büro, aber ohne regelmäßige Präsenz in der Halle funktioniert die Arbeit nicht, entsprechend sind Sicherheitsschuhe und Lärm Teil des Alltags. Zum Monats- oder Quartalsende steigt der Druck durch Liefertermine deutlich.
Aussichten
Solange in Deutschland produziert wird, wird geplant. Die Nachfrage ist stabil, besonders im Maschinen- und Anlagenbau, in der Automobilzulieferung, der Elektro- und Kunststoffindustrie sowie der Lebensmittelproduktion. Konjunkturelle Einbrüche in der Industrie schlagen allerdings direkt auf diese Stellen durch.
Entwicklungswege führen zur Leitung der Arbeitsvorbereitung oder Produktionsplanung, in das Supply Chain Management, ins Lean Management oder in die Betreuung des ERP-Systems. Wer Erfahrung mit APS-Systemen, Datenanalyse und Prozessoptimierung mitbringt, verbessert seine Position deutlich, weil die Feinplanung zunehmend softwaregestützt abläuft.