Was macht ein Legal Counsel?
Legal Counsel arbeiten in der Rechtsabteilung eines Unternehmens und beantworten die Frage, die im Tagesgeschäft ständig auftaucht: Geht das rechtlich – und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Konkret heißt das: Liefer- und Dienstleistungsverträge entwerfen, fremde Vertragsentwürfe redlinen, Haftungsklauseln und Vertragsstrafen verhandeln, Datenschutzfragen klären, Vollmachten und Gesellschafterbeschlüsse vorbereiten, Kündigungen und Abmahnungen prüfen, Wettbewerbs- und Kartellrisiken einschätzen. Dazu kommt die Steuerung externer Kanzleien bei Prozessen oder Spezialthemen, für die im Haus die Expertise fehlt.
Ein großer Teil der Arbeit ist Kommunikation. Vertrieb, Einkauf, Personal und Geschäftsführung kommen mit halb formulierten Sachverhalten und wollen eine Antwort, keine Abhandlung. Legal Counsel müssen juristische Bewertungen so übersetzen, dass sie eine Entscheidung ermöglichen, und dabei sagen, welches Restrisiko bleibt. Wer nur Gutachten schreibt, kommt in dieser Rolle nicht weit.
Wie wird man Legal Counsel?
Der Weg führt fast immer über das klassische Jurastudium mit erster Staatsprüfung, das zweijährige Referendariat und das zweite Staatsexamen. Erst danach spricht man von einem Volljuristen. Prädikatsexamen sind bei großen Konzernen und in der Bewerberkonkurrenz mit Großkanzleien ein Vorteil, in mittelständischen Unternehmen zählt oft mehr, ob jemand Vertragsarbeit und Wirtschaftsverständnis mitbringt. Häufige Ergänzungen sind ein LL.M., ein Fachanwaltstitel oder ein Schwerpunkt in IT-Recht, Arbeitsrecht, Compliance oder gewerblichem Rechtsschutz.
Viele starten zunächst in einer Kanzlei und wechseln nach zwei bis fünf Jahren ins Unternehmen. Der Direkteinstieg nach dem zweiten Examen ist möglich, aber seltener und meist an eine bereits vorhandene Spezialisierung gebunden. Ein Quereinstieg ohne Staatsexamina gibt es in dieser Funktion nicht; Wirtschaftsjuristen mit Bachelor oder Master arbeiten in Rechtsabteilungen als Contract Manager oder Legal Specialist, nicht als Legal Counsel.
Was der Beruf verlangt
Der Ausbildungsweg ist lang, teuer und mit einem Prüfungsdruck verbunden, den nicht jeder aushält. Die Durchfallquoten in beiden Staatsexamina sind erheblich, und wer knapp besteht, hat auf dem Arbeitsmarkt schlechtere Karten als in kaum einem anderen Beruf.
Im Job selbst ist die Belastung planbarer als in der Großkanzlei, aber nicht gering. Vertragsverhandlungen enden nicht um 17 Uhr, Quartalsabschlüsse und M&A-Projekte bringen Phasen mit sehr langen Tagen. In internationalen Unternehmen kommen Telefonkonferenzen über Zeitzonen hinweg und durchgehend englische Arbeitssprache dazu. Wer allein in einer kleinen Rechtsabteilung sitzt, deckt ein sehr breites Themenfeld ab und muss ertragen, dass niemand da ist, mit dem sich eine schwierige Frage besprechen lässt. Und es gehört zur Rolle, unbequem zu sein: Legal Counsel bremsen Vorhaben, an denen andere lange gearbeitet haben.
Aussichten
Die Nachfrage nach Unternehmensjuristen ist stabil und in Feldern wie Datenschutz, IT- und Vergaberecht, Lieferkettenpflichten und Compliance eher steigend, weil Regulierung zunimmt. Gleichzeitig ist der Markt für Juristen mit durchschnittlichen Examensnoten eng.
Entwicklungswege führen zum Senior Counsel mit klarem Fachschwerpunkt, zur Leitung eines Rechtsbereichs, zum General Counsel mit Verantwortung für die gesamte Abteilung oder in angrenzende Funktionen wie Compliance, Datenschutz oder Konzernrevision. Der Wechsel zurück in eine Kanzlei oder in die Selbstständigkeit bleibt offen.