Was macht eine Krankenschwester mit Dienstwagen?
Der Zusatz "Dienstwagen" steht in Stellenanzeigen fast immer für die ambulante Pflege. Statt auf einer Station zu arbeiten, fährt die Pflegefachkraft eine Tour: morgens zwischen acht und fünfzehn Haushalte, abends eine kürzere Runde. In jeder Wohnung wird gemessen, gewaschen, verbunden, gespritzt und dokumentiert. Insulin wird gestellt und gegeben, Kompressionsstrümpfe angezogen, Katheter gewechselt, Portnadeln gelegt, Blutdruck und Blutzucker kontrolliert. Dazu kommen Grundpflege, Unterstützung beim Aufstehen und Anziehen sowie das Anlegen und Kontrollieren von Verbänden nach ärztlicher Anordnung.
Der Wagen ist Arbeitsmittel: Er wird beladen, betankt, sauber gehalten und in vielen Betrieben abends mit nach Hause genommen. Manche Träger erlauben die private Nutzung gegen einen Sachbezug, andere nur die Fahrt von und zur Tour. Neben der Pflege selbst gehört Kommunikation dazu: mit Angehörigen, mit Hausärzten, mit Apotheken und Sanitätshäusern.
Wie wird man Krankenschwester mit Dienstwagen?
Grundlage ist die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, die die früheren Wege Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege zusammenführt. Voraussetzung ist in der Regel ein mittlerer Schulabschluss, mit Hauptschulabschluss und abgeschlossener Pflegehelferausbildung ist der Einstieg ebenfalls möglich. Die Ausbildung ist vergütet und schließt mit einer staatlichen Prüfung ab. Wer bereits im Krankenhaus gearbeitet hat, kann jederzeit in die ambulante Pflege wechseln; eine zusätzliche Qualifikation ist dafür nicht nötig. Unverzichtbar ist ein Führerschein der Klasse B. Wer aus dem Ausland kommt, braucht die Anerkennung des Abschlusses und meist Deutsch auf Niveau B2.
Was der Beruf verlangt
Die Tour ist getaktet. Für eine Grundpflege sind teils zwanzig Minuten kalkuliert, und wenn ein Patient gestürzt ist oder reden möchte, gerät der Plan ins Rutschen. Der Zeitdruck ist der häufigste Grund, warum Menschen die ambulante Pflege wieder verlassen. Gearbeitet wird im Frühdienst, im Spätdienst, an Wochenenden und Feiertagen, oft geteilt in zwei Blöcke am Tag. Rufbereitschaft und Einsprünge bei Krankheit von Kollegen sind verbreitet.
Körperlich fordert der Beruf: Heben und Umlagern in engen Bädern, oft ohne Lifter, dazu Treppen ohne Aufzug. Im Winter kommen Glätte, Dunkelheit und Parkplatzsuche hinzu. Anders als im Krankenhaus steht in der Wohnung niemand daneben – Entscheidungen müssen allein getroffen werden, was viele als Freiheit und manche als Belastung erleben. Nähe zu Patienten über Jahre bedeutet auch, Verschlechterung und Sterben mitzuerleben.
Aussichten
Pflegefachkräfte werden bundesweit gesucht, in der ambulanten Versorgung besonders deutlich, weil immer mehr Menschen zu Hause versorgt werden wollen. Ein Arbeitsplatz ist praktisch überall und meist kurzfristig zu finden, auch in Teilzeit. Der Dienstwagen ist längst ein Argument, mit dem Träger um Personal werben.
Entwicklungsmöglichkeiten gibt es über Weiterbildungen in Wundmanagement, Palliativpflege, außerklinischer Intensivpflege oder Pflegeberatung nach dem Sozialgesetzbuch. Wer mehr Verantwortung will, übernimmt eine Tourenleitung, die Qualitätsbeauftragung oder nach entsprechender Weiterbildung die Pflegedienstleitung. Ein Studium in Pflegewissenschaft oder Pflegemanagement steht ebenfalls offen.