Kalkulator Tiefbau
Kalkulatoren im Tiefbau ermitteln, was ein Bauvorhaben kosten wird – von Erdarbeiten über Kanalbau bis zum Straßenoberbau. Sie werten Leistungsverzeichnisse aus, holen Preise ein und erstellen die Angebote, mit denen ein Bauunternehmen an Ausschreibungen teilnimmt.
4 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Kalkulator Tiefbau verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.400 € | 3.900 € | 4.500 € | 46.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.200 € | 5.000 € | 5.900 € | 60.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.200 € | 6.300 € | 8.000 € | 75.600 € |
Entscheidend sind Betriebsgröße und Tarifbindung: Große Konzerne zahlen deutlich über dem Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe beziehungsweise dem Tarifvertrag für Angestellte im Baugewerbe, kleine Mittelständler oft nur knapp darüber. Wer zusätzlich Nachtragsmanagement oder Spezialtiefbau abdeckt, liegt am oberen Rand.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Kalkulator im Tiefbau?
Am Anfang steht die Ausschreibung: ein Leistungsverzeichnis mit hunderten Positionen, Pläne, Bodengutachten, Vertragsbedingungen. Der Kalkulator liest das durch, prüft Mengen auf Plausibilität und zerlegt jede Position in ihre Kosten – Lohnstunden, Gerätestunden, Material, Nachunternehmerleistungen, Entsorgung von belastetem Boden. Bei einem Kanalbauabschnitt bedeutet das: Aushubmengen aus den Profilen ermitteln, Verbau festlegen, Wasserhaltung berücksichtigen, Rohrmaterial anfragen, Verfüllung und Oberflächenwiederherstellung ansetzen.
Dazu gehört das Einholen und Vergleichen von Angeboten bei Lieferanten und Nachunternehmern, oft unter Zeitdruck kurz vor Submissionstermin. Über die Einzelkosten legt der Kalkulator Zuschläge für Baustellengemeinkosten, Allgemeine Geschäftskosten, Wagnis und Gewinn. Im Gespräch mit Bauleitung und Geschäftsführung wird entschieden, wie scharf der Preis sein darf – zu hoch heißt kein Auftrag, zu niedrig heißt ein Projekt, das Geld verliert. Nach Auftragserteilung übergibt der Kalkulator die Arbeitskalkulation an die Bauleitung und wird später bei Nachträgen und Preisanpassungen wieder gebraucht.
Wie wird man Kalkulator im Tiefbau?
Der häufigste Weg ist ein Studium im Bauingenieurwesen, Schwerpunkt Tief-, Verkehrs- oder Wasserbau, an Hochschule oder Universität. Ebenso verbreitet ist der Aufstieg über die Praxis: Ausbildung im Tiefbau oder Straßenbau, danach die Weiterbildung zum Bautechniker oder Werkpolier beziehungsweise Meister, anschließend Wechsel ins Baubüro. Kalkulation ist kein eigener Ausbildungsberuf – sie wird im Betrieb gelernt, meist als Assistenz eines erfahrenen Kalkulators.
Wichtig ist Sicherheit im Umgang mit VOB, der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, sowie mit Standardleistungsbüchern und Kalkulationssoftware wie iTWO, ARRIBA, BauSU oder Nevaris. Wer aus der Bauleitung kommt, bringt das entscheidende Gefühl für tatsächliche Leistungswerte mit – wie viele Kubikmeter ein Bagger an einem Tag wirklich löst.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist Bürotätigkeit am Bildschirm, aber sie läuft in Wellen. Vor Abgabeterminen sind Überstunden und Wochenendarbeit üblich, weil öffentliche Ausschreibungen feste Submissionstermine haben. Fehler haben Folgen: eine vergessene Position oder ein falscher Leistungswert kann ein Projekt über Monate in die Verlustzone ziehen. Damit umzugehen, verlangt Sorgfalt und die Bereitschaft, Verantwortung für Zahlen zu tragen, die andere später abarbeiten müssen.
Belastend ist auch die Trefferquote: Ein großer Teil der kalkulierten Angebote führt zu keinem Auftrag. Wer sichtbare Ergebnisse braucht, findet das frustrierend. Kalkulatoren brauchen Ausdauer, ein Gedächtnis für Details und die Fähigkeit, in kurzer Zeit zwischen sehr unterschiedlichen Bauverfahren zu wechseln.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis hoch. Straßen, Kanalnetze, Leitungen für Strom und Glasfaser, Bahninfrastruktur – der Bedarf an Erneuerung ist groß, und Bauunternehmen finden nur schwer erfahrene Kalkulatoren. Gerade mittelständische Tiefbaufirmen suchen dauerhaft.
Entwicklungswege führen zur Leitung der Kalkulationsabteilung, in die Projekt- oder Niederlassungsleitung, ins Nachtrags- und Claim-Management oder in die technische Geschäftsführung. Auch der Wechsel auf die Auftraggeberseite, etwa in Ingenieurbüros oder kommunale Tiefbauämter, ist möglich. Wer sich in Spezialgebiete wie Spezialtiefbau, Ingenieurbau oder Bahnbau einarbeitet, verhandelt deutlich besser.
Aufgaben
- Leistungsverzeichnisse und Ausschreibungsunterlagen auswerten
- Massen und Mengen aus Plänen und Bodengutachten prüfen
- Einzelkosten für Lohn, Geräte, Material und Nachunternehmer ansetzen
- Angebote bei Lieferanten und Subunternehmern einholen und vergleichen
- Zuschläge für Gemeinkosten, Wagnis und Gewinn kalkulieren
- Angebote fristgerecht zur Submission fertigstellen
- Arbeitskalkulation an die Bauleitung übergeben
- Nachträge und Preisanpassungen rechnerisch aufbereiten
Voraussetzungen
- Studium Bauingenieurwesen oder Weiterbildung zum Bautechniker beziehungsweise Meister im Tiefbau
- Praxiskenntnisse in Tiefbauverfahren: Erdbau, Kanalbau, Straßenbau
- Sicherer Umgang mit VOB, Standardleistungsbüchern und Vertragsrecht
- Kenntnisse in Kalkulationssoftware wie iTWO, ARRIBA oder Nevaris
- Ausgeprägte Sorgfalt und Belastbarkeit unter Termindruck
- Verhandlungsgeschick gegenüber Lieferanten und Nachunternehmern
Wo man arbeitet
- Tiefbau- und Straßenbauunternehmen
- Bauabteilungen großer Baukonzerne
- Spezialtiefbau- und Rohrleitungsbaufirmen
- Ingenieurbüros für Infrastrukturplanung
- Kommunale Tiefbauämter und Stadtwerke
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Bachelorstudium Bauingenieurwesen mit sechs bis sieben Semestern, alternativ eine Ausbildung im Tiefbau mit anschließender zweijähriger Weiterbildung zum staatlich geprüften Bautechniker. Die Kalkulation selbst wird berufsbegleitend im Unternehmen erlernt, meist über ein bis drei Jahre als Assistenz eines erfahrenen Kalkulators.
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