Ingenieurgeologe
Ingenieurgeologen untersuchen Boden, Fels und Grundwasser, um zu beurteilen, ob und wie darauf gebaut werden kann. Sie planen Baugrunderkundungen, bewerten Hangrutschungen und Altlasten und liefern die geologischen Grundlagen für Tunnel, Dämme und Fundamente.
3 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Ingenieurgeologe verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.300 € | 3.800 € | 4.400 € | 45.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.000 € | 4.800 € | 5.600 € | 57.600 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.000 € | 6.000 € | 7.500 € | 72.000 € |
Entscheidend sind Trägerschaft und Betriebsgröße: Behörden und öffentliche Verwaltungen zahlen nach TV-L oder TVöD, meist in den Entgeltgruppen 12 bis 14, große Bau- und Infrastrukturkonzerne liegen deutlich darüber, kleine Ingenieurbüros oft am unteren Rand. Auslöse und Zulagen für Auswärtseinsätze können den Verdienst zusätzlich erhöhen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Ingenieurgeologe?
Ingenieurgeologen klären die Frage, was unter einem Bauwerk liegt und wie sich dieser Untergrund verhält. Vor einem Bauvorhaben planen sie Erkundungsbohrungen, Rammsondierungen und geophysikalische Messungen, betreuen die Ausführung im Feld, beschreiben die Bohrkerne und ordnen die angetroffenen Schichten geologisch ein. Bodenproben gehen ins Labor, wo Korngrößenverteilung, Wassergehalt, Scherfestigkeit und Durchlässigkeit bestimmt werden. Aus den Ergebnissen entstehen Baugrundgutachten mit Kennwerten, die Statiker und Tiefbauplaner für Fundamente, Baugrubenverbau und Wasserhaltung brauchen.
Ein zweiter großer Bereich ist die Beurteilung von Naturgefahren und Bestandsbauwerken: Hangstabilität an Straßen und Bahnstrecken, Steinschlagsicherung, Felsböschungen, Setzungen an Gebäuden, Standsicherheit von Deichen und Talsperren. Im Tunnelbau begleiten Ingenieurgeologen den Vortrieb, dokumentieren die Ortsbrust und passen Ausbauklassen an die tatsächlich angetroffenen Verhältnisse an. Dazu kommen Altlastenerkundung, Grundwassermodelle, Geothermiebohrungen und die fachliche Begleitung von Genehmigungsverfahren.
Wie wird man Ingenieurgeologe?
Üblich ist ein Studium der Geologie, Geowissenschaften oder Angewandten Geowissenschaften mit Masterabschluss und Schwerpunkt Ingenieurgeologie, Hydrogeologie oder Felsmechanik. Auch Bauingenieure mit Vertiefung Geotechnik arbeiten in diesem Feld, oft in enger Zusammenarbeit mit Geologen. Der Bachelor allein reicht selten für gutachterliche Aufgaben, öffnet aber Türen in die Feldarbeit und Bohrbetreuung. Praktika bei Ingenieurbüros, Bohrfirmen oder Landesämtern sind für den Einstieg wichtiger als Bestnoten. Wer später Gutachten unterschreiben will, braucht Berufserfahrung und je nach Bundesland eine Anerkennung als Sachverständiger, etwa im Bereich Erd- und Grundbau.
Was der Beruf verlangt
Der Alltag wechselt zwischen Baustelle und Schreibtisch. Feldeinsätze bedeuten Arbeit bei jedem Wetter, Staub, Lärm, frühe Anfahrten und Wochen mit Auswärtsübernachtung. Bohrkerne wiegen, Geländeaufnahmen im Steilhang kosten Kraft, ein gewisses Maß an körperlicher Fitness und Schwindelfreiheit gehören dazu. Im Büro folgt die genaue Arbeit: Schichtenverzeichnisse, Laborauswertungen, Berechnungen nach Eurocode 7, Berichte, die einer Prüfung standhalten. Fehler in einem Baugrundgutachten führen zu teuren Nachträgen oder Schäden, entsprechend groß ist die Verantwortung.
Terminplanung richtet sich nach dem Bauablauf, nicht nach dem Kalender des Gutachters. Vor Ausschreibungsfristen oder bei unerwarteten Befunden im Vortrieb wird es hektisch, Überstunden sind in Ingenieurbüros verbreitet. Verhandlungsfähigkeit ist nötig, weil Bauherren geologische Risiken gern kleinreden. Ein Führerschein ist praktisch Voraussetzung.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in Teilbereichen steigend. Sanierung von Brücken, Bahnstrecken und Wasserbauwerken, Erdwärmenutzung, Windkraftfundamente, Hochwasserschutz und die Anpassung an häufigere Starkregen und Hangbewegungen sichern Arbeit über Jahre. Gleichzeitig gehen viele erfahrene Gutachter in Rente, Nachwuchs mit Feldpraxis ist knapp.
Entwicklungswege führen über die Projektleitung in Ingenieurbüros, über die Spezialisierung auf Felsmechanik, Tunnelbau, Numerik oder Altlasten bis zur Prüfingenieurtätigkeit und zum eigenen Büro. Landesämter, Straßen- und Bahnverwaltungen bieten planbarere Arbeitszeiten, dafür weniger Verdienstsprünge. Wer international arbeiten will, findet im Tunnel- und Staudammbau Einsätze im Ausland.
Aufgaben
- Erkundungsprogramme mit Bohrungen und Sondierungen planen und ausschreiben
- Bohrkerne aufnehmen, Schichtenverzeichnisse und Bodenklassen erstellen
- Labor- und Feldversuche auswerten, Bodenkennwerte ableiten
- Baugrund- und Gründungsgutachten mit Empfehlungen verfassen
- Hangstabilität, Fels- und Böschungssicherheit beurteilen
- Tunnelvortrieb und Baugruben geologisch begleiten
- Grundwasserverhältnisse und Altlastenverdachtsflächen bewerten
- Bauherren, Statiker und Behörden fachlich beraten
Voraussetzungen
- Studium der Geologie, Angewandten Geowissenschaften oder Bauingenieurwesen, meist Master
- Kenntnisse in Geotechnik, Bodenmechanik und Eurocode 7
- Sicheres Beschreiben von Boden und Fels im Gelände
- Sorgfalt und Bereitschaft, Verantwortung für Gutachten zu tragen
- Körperliche Belastbarkeit, Trittsicherheit und Bereitschaft zu Außendiensten
- Führerschein Klasse B und Reisebereitschaft
- Fähigkeit, technische Sachverhalte verständlich zu schreiben
Wo man arbeitet
- Ingenieur- und Geotechnikbüros
- Bau- und Tiefbauunternehmen
- Geologische Landesämter und Umweltbehörden
- Straßen-, Bahn- und Wasserwirtschaftsverwaltungen
- Bohr- und Spezialtiefbaufirmen
- Hochschulen und Forschungsinstitute
Der Weg in den Beruf
Der Weg führt über ein Bachelorstudium der Geowissenschaften oder des Bauingenieurwesens in sechs bis sieben Semestern und einen darauf aufbauenden Master mit Schwerpunkt Ingenieurgeologie oder Geotechnik in weiteren vier Semestern. Praktika in Ingenieurbüros und auf Bohrbaustellen sind während des Studiums üblich und für den Einstieg entscheidend. Anerkennung als Sachverständiger für Erd- und Grundbau ist erst nach mehreren Jahren Berufspraxis möglich.
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