Was macht eine Gruppenleitung mechanische Konstruktion?
Eine Gruppenleitung mechanische Konstruktion führt eine Gruppe von meist fünf bis fünfzehn Konstrukteuren, Berechnungsingenieuren und Technischen Zeichnern. Der Arbeitsalltag besteht zu einem großen Teil aus Abstimmung: Aufgaben auf die Gruppe verteilen, Konstruktionsstände prüfen, Zeichnungen und Stücklisten freigeben, Änderungsanträge bewerten, Termine mit der Projektleitung abgleichen. Dazu kommen technische Entscheidungen, die niemand sonst treffen kann oder will: welches Fertigungsverfahren, welche Toleranzkette, ob eine Schweißkonstruktion oder ein Guss günstiger ist, ob eine Reklamation aus dem Feld ein Konstruktionsfehler war.
Ein Teil der Arbeit bleibt fachlich. Wer eine Konstruktionsgruppe führt, arbeitet in der Regel weiter mit CAD-Systemen wie Creo, NX, SOLIDWORKS oder CATIA, liest FEM-Ergebnisse, prüft Normteilverwendung und pflegt Konstruktionsrichtlinien. Der Anteil eigener Konstruktionsarbeit sinkt mit der Gruppengröße oft auf ein Restmaß. Hinzu kommen Personalthemen: Einarbeitung neuer Kollegen, Jahresgespräche, Urlaubsplanung, Auswahlgespräche, gelegentlich auch Konflikte im Team oder mit der Fertigung.
Wie wird man Gruppenleitung mechanische Konstruktion?
Der übliche Weg führt über ein Studium des Maschinenbaus, der Mechatronik oder einer verwandten Fachrichtung, meist an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften. Danach folgen mehrere Jahre als Konstrukteur oder Entwicklungsingenieur, oft mit einer Zwischenstufe als Projekt- oder Teilprojektleitung. Erst dann wird die Führungsaufgabe übertragen, im Regelfall nach fünf bis zehn Jahren im Beruf.
Ein zweiter Weg beginnt mit einer Ausbildung als Technischer Produktdesigner oder Industriemechaniker, gefolgt von einer Weiterbildung zum Technischen Fachwirt, zum Konstrukteur oder zum Staatlich geprüften Techniker. In mittelständischen Betrieben ist dieser Weg verbreitet und akzeptiert, wenn die fachliche Erfahrung stimmt. Wer aus einer anderen Branche kommt, muss die Fertigungsverfahren des neuen Betriebs kennen; ohne dieses Wissen fehlt die Grundlage für Entscheidungen.
Was der Beruf verlangt
Die Position sitzt zwischen zwei Erwartungen: die Geschäftsführung will Termine, das Team will realistische Vorgaben und Zeit für saubere Arbeit. Diesen Widerspruch auszuhalten und nach oben zu vertreten, ist der unbequeme Kern der Aufgabe. Wer nur technisch stark ist und Gespräche über Leistung oder Fehler meidet, kommt in Schwierigkeiten.
Die Arbeitszeiten sind meist Gleitzeit ohne Schichtdienst, in Projektphasen vor Messen, Prototypenaufbau oder Serienfreigabe fallen aber Überstunden an. Die Tätigkeit ist überwiegend sitzend am Bildschirm, unterbrochen von Werkstattbesuchen, Musterbauten und Reisen zu Lieferanten. Belastend empfinden viele die Zahl der Besprechungen und die Menge an Dokumentation, die Änderungen im Serienprozess nach sich ziehen.
Aussichten
Konstruktionserfahrung mit Führungskompetenz wird im Maschinen- und Anlagenbau, in der Fahrzeugtechnik und in der Medizintechnik dauerhaft gesucht. Der Bedarf schwankt mit der Konjunktur der Investitionsgüterindustrie; in Abschwungphasen werden zuerst Entwicklungsbudgets gekürzt. Wer bleibt, hat gute Wege nach oben: Abteilungsleitung Konstruktion, Leitung Entwicklung, technische Leitung eines Standorts. Alternativ öffnet sich eine fachliche Spezialisierung als Chefkonstrukteur, in der Normung oder im technischen Vertrieb komplexer Anlagen. Kenntnisse in Simulation, Systems Engineering und in der Verknüpfung von CAD und PLM erhöhen die Auswahl an Stellen deutlich.