Was macht ein Gruppenleiter Entwicklung Digitalisierung?
Die Gruppenleitung verantwortet einen Entwicklungsbereich, der digitale Lösungen erarbeitet: Software für Maschinensteuerungen, Sensorik und Vernetzung von Anlagen, Datenplattformen, Cloud-Anbindungen, Auswertungswerkzeuge oder Kundenportale. Typisch ist ein Team von fünf bis zwanzig Personen aus Software-, Elektronik- und Datenberufen, oft ergänzt durch externe Dienstleister.
Der Alltag besteht weniger aus eigenem Programmieren als aus Entscheiden, Abstimmen und Absichern. Anforderungen kommen aus dem Produktmanagement, aus der Produktion oder direkt von Kunden und müssen in Arbeitspakete, Zeitpläne und Aufwandsschätzungen übersetzt werden. Dazu kommen Architekturentscheidungen, Reviews, die Auswahl von Werkzeugen und Partnern, Budgetplanung und die Frage, welche Stelle als nächste besetzt wird. Ein erheblicher Teil der Zeit geht in Besprechungen, Statusberichte an die Bereichs- oder Geschäftsleitung und in Gespräche mit Mitarbeitenden über Ziele, Entwicklung und Konflikte.
Wie wird man Gruppenleiter Entwicklung Digitalisierung?
Üblich ist ein abgeschlossenes Studium in Informatik, Elektrotechnik, Mechatronik, Maschinenbau mit digitalem Schwerpunkt oder Wirtschaftsingenieurwesen, meist auf Master- oder Diplomniveau. Danach folgen in der Regel fünf bis zehn Jahre als Entwickler, Softwarearchitekt oder Projektleiter. Die Führungsaufgabe wird selten von außen besetzt, sondern häufig intern übertragen, wenn jemand Projekte erfolgreich geführt hat und im Unternehmen bekannt ist.
Ein Quereinstieg gelingt Technikern und Fachinformatikern mit langer Berufserfahrung, oft in Verbindung mit einem berufsbegleitenden Studium oder einer Weiterbildung zum technischen Betriebswirt. Wichtiger als der formale Abschluss ist der Nachweis, ein Projekt mit mehreren Beteiligten und einem echten Budget zum Abschluss gebracht zu haben. Weiterbildungen in agiler Führung, Projektmanagement oder Datenschutz und IT-Sicherheit sind gängig.
Was der Beruf verlangt
Die Position steht zwischen zwei Erwartungen: Die Geschäftsleitung will schnelle, sichtbare Digitalisierungsergebnisse, das Team braucht Zeit für saubere Technik und leidet unter unklaren Anforderungen. Diesen Widerspruch trägt die Gruppenleitung aus, und das kostet Kraft. Wer die eigene fachliche Tiefe schätzt, empfindet es oft als Verlust, dass für tatsächliche Entwicklungsarbeit kaum noch Zeit bleibt.
Die Arbeitszeit ist im Regelfall Gleitzeit ohne Schichtdienst, in Projektspitzen aber deutlich über der vereinbarten Stundenzahl. Homeoffice ist verbreitet, Reisen zu Standorten, Kunden und Zulieferern kommen dazu. Belastend sind Personalthemen: Stellen bleiben lange unbesetzt, gute Entwickler werden abgeworben, und Trennungsgespräche gehören zur Rolle. Auch das Scheitern von Digitalisierungsvorhaben, die politisch gewollt aber schlecht vorbereitet sind, muss man verkraften.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil, weil nahezu jedes Industrie-, Energie- und Dienstleistungsunternehmen digitale Entwicklung aufbaut und Führungskräfte sucht, die Technik und Betriebswirtschaft gleichzeitig verstehen. Wechsel zwischen Branchen sind möglich, da Methodenwissen übertragbar ist. Entwicklungswege führen zur Abteilungs- oder Bereichsleitung, in die Rolle eines Chief Digital Officer bei kleineren Unternehmen, in die Programmleitung großer Transformationsvorhaben oder in die technische Beratung. Wer keine weitere Führungsstufe anstrebt, kann als Chefarchitekt oder Fachexperte zurück in die Technik gehen, was in vielen Unternehmen ausdrücklich vorgesehen ist.