Was macht man mit Elektrotechnik am virtuellen Campus?
Der virtuelle Campus ist der Lernort, nicht der Beruf. Studiert wird Elektrotechnik: Mathematik, Physik, Grundlagen elektrischer Netzwerke, Elektronik, Messtechnik, Regelungstechnik, Antriebe, Energieversorgung, Programmierung und Nachrichtentechnik. Vorlesungen kommen als Video oder Lernskript, Übungen laufen in Online-Gruppen, Sprechstunden per Videokonferenz. Praktika in Elektronik und Messtechnik werden entweder an wenigen Präsenzwochenenden in Laboren der Hochschule absolviert, über Fernlabore mit echter Hardware oder über Simulationssoftware wie LTspice und MATLAB.
Nach dem Abschluss arbeiten Absolventen als Elektroingenieurinnen und Elektroingenieure: Schaltungen entwickeln und prüfen, Steuerungen für Maschinen programmieren, Schaltanlagen und Netzanschlüsse planen, Prüfstände aufbauen, Normen und Zulassungsanforderungen abarbeiten, Lieferanten und Fertigung technisch begleiten. Wer während des Studiums schon in einem Elektrobetrieb arbeitet, wechselt oft im gleichen Unternehmen von der Facharbeiter- oder Technikerrolle in die Planung oder Projektleitung.
Wie wird man Elektroingenieur über ein Fernstudium?
Voraussetzung ist die Hochschulzugangsberechtigung. Auch ohne Abitur ist der Zugang möglich, wenn eine einschlägige Berufsausbildung und Berufserfahrung vorliegen oder ein Meister- beziehungsweise Technikerabschluss; die Regeln unterscheiden sich je Bundesland und Hochschule. Der Bachelor umfasst 180 bis 210 Credits und dauert in Vollzeit sechs bis sieben Semester, berufsbegleitend meist neun bis zwölf. Private Fernhochschulen verlangen Studiengebühren über die gesamte Laufzeit, staatliche Fernhochschulen und Verbundmodelle sind günstiger, haben aber festere Prüfungstermine. Darauf kann ein Master aufbauen, etwa in Automatisierungstechnik, Energietechnik oder Embedded Systems.
Quereinstieg ist verbreitet: Elektronikerinnen, Mechatroniker, IT-Fachkräfte und Bundeswehrangehörige nutzen das Format, um einen Ingenieurabschluss nachzuholen, ohne den Job aufzugeben.
Was der Beruf verlangt
Das Studium ist rechenintensiv. Wer Mathematik lange nicht angefasst hat, braucht Vorkurse und die Bereitschaft, Differentialgleichungen und komplexe Wechselstromrechnung allein durchzuarbeiten. Die Abbruchquoten in Fernstudiengängen der Ingenieurwissenschaften sind hoch, und der häufigste Grund ist nicht fehlende Begabung, sondern fehlende Zeit. Zwölf bis zwanzig Stunden Lernaufwand pro Woche neben einer Vollzeitstelle sind realistisch, über Jahre. Abende, Wochenenden und Urlaubstage gehen dafür weg, und der Austausch mit Kommilitonen bleibt dünner als im Präsenzstudium.
Im Beruf selbst kommen andere Belastungen: Projekttermine, Verantwortung für Anlagen, deren Ausfall teuer ist, Dokumentationspflichten, Baustellen- oder Werksreisen, in der Inbetriebnahme auch Nachtarbeit. Arbeiten an elektrischen Anlagen setzen Schulungen und Gesundheitseignung voraus.
Aussichten
Elektroingenieure werden gesucht, deutlich und dauerhaft. Netzausbau, Ladeinfrastruktur, Bahntechnik, Halbleiter, Automatisierung und Gebäudetechnik binden mehr Fachkräfte, als nachrücken. Der Fernabschluss ist rechtlich gleichwertig; einzelne Arbeitgeber fragen dennoch nach der Praxiserfahrung, was für Berufstätige eher ein Vorteil ist. Entwicklungswege führen in die Fachspezialistenrolle, in Projekt- und Teamleitung, in den Vertrieb technischer Produkte, in die Prüf- und Zertifizierungsbranche oder über eine Zusatzqualifikation in die Sachverständigentätigkeit.