Was macht ein Development Engineer?
Ein Development Engineer entwickelt technische Produkte von der ersten Idee bis zum fertigungsreifen Stand. Am Anfang steht ein Lastenheft: Der Kunde oder das Produktmanagement gibt Anforderungen vor – Gewicht, Leistung, Lebensdauer, Kosten, Zulassungsnormen. Daraus entstehen Konzepte, CAD-Modelle, Berechnungen und Prototypen. Der Alltag besteht aus Konstruktionsarbeit in CATIA, NX oder SolidWorks, aus Simulationen mit FEM- oder CFD-Werkzeugen, aus Bauteilbestellungen bei Lieferanten und aus Prüfstandsversuchen, deren Ergebnisse anschließend ausgewertet und in die nächste Konstruktionsstufe zurückgeführt werden.
Ein großer Teil der Arbeit ist Abstimmung. Development Engineers sitzen zwischen Fertigung, Einkauf, Qualitätssicherung und Vertrieb. Die Fertigung will ein Teil, das sich herstellen lässt, der Einkauf eines, das billig ist, die Qualitätssicherung eines, das nachweisbar sicher ist. Dazu kommen Dokumentation, Freigabeprozesse, Änderungsmanagement und Normenrecherche – Tätigkeiten, die viele Berufseinsteiger unterschätzen.
Je nach Branche unterscheidet sich der Schwerpunkt deutlich. In der Automobilindustrie dominieren Serienentwicklung und Termindruck, im Maschinen- und Anlagenbau häufig Einzel- und Sonderanfertigungen, in der Medizintechnik Regulatorik und Nachweisführung. In der Elektronik- und Softwareentwicklung heißt der Titel oft ebenso, die Arbeit besteht dann aus Schaltungsentwurf, Firmware oder Testautomatisierung.
Wie wird man Development Engineer?
Üblich ist ein Studium des Maschinenbaus, der Elektrotechnik, der Mechatronik, der Verfahrenstechnik oder eines vergleichbaren Fachs, abgeschlossen mit Bachelor oder Master. Der Master ist in Konzernen weit verbreitet, in mittelständischen Betrieben genügt häufig ein Bachelor. Praktika, Werkstudententätigkeit und eine Abschlussarbeit im Unternehmen sind bei der Einstellung wichtiger als die Note allein.
Ein Quereinstieg ist möglich, aber nicht über Nacht. Technikerinnen und Techniker oder Konstrukteure mit langer Praxis wechseln in Entwicklungsabteilungen, meist zunächst in die Konstruktion oder Versuchstechnik. Auch Absolventen der Physik oder Informatik kommen über Simulation, Messtechnik oder Steuerungsentwicklung hinein. Erwartet werden solide CAD-Kenntnisse, Verständnis für Werkstoffe und Fertigungsverfahren und in vielen Häusern gutes technisches Englisch.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeitszeiten sind meist regulär, oft mit Gleitzeit und Homeoffice-Anteil. Vor Meilensteinen, Messen oder Serienstarts kippt das jedoch: Dann kommen Überstunden, Prüfstandsschichten am Wochenende und Dienstreisen zu Lieferanten oder Erprobungsstandorten dazu. Wer Konflikte scheut, tut sich schwer, denn Entwicklung bedeutet dauernd, technische Positionen gegen Kosten- und Terminvorgaben zu verteidigen. Frustrierend ist für manche, wie viel Zeit auf Dokumentation, Freigabeschleifen und Abstimmungsrunden entfällt und wie oft Projekte gestrichen werden, bevor etwas Sichtbares entsteht. Fachlich muss man dazulernen, weil Werkzeuge, Normen und Antriebs- oder Fertigungstechnologien sich schnell ändern.
Aussichten
Die Nachfrage nach Entwicklungsingenieuren ist stabil, aber ungleich verteilt. Elektrifizierung, Automatisierung, Energietechnik und Medizintechnik suchen Fachkräfte, klassische Verbrenner- und Zulieferbereiche bauen ab. Wer bereit ist, Branche oder Region zu wechseln, findet in der Regel eine Stelle. Entwicklungswege führen zur Fachspezialistin für ein Sachgebiet, zur Projekt- oder Teamleitung, in das technische Produktmanagement, in die Systemarchitektur oder in die technische Beratung. Möglich ist auch der Weg über Entwicklungsdienstleister, der schnelle Projekterfahrung bringt, meist aber geringere Bezahlung als in der Industrie.