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Technik & Ingenieurwesen

Chemielaborant

Chemielaboranten führen chemische Analysen und Synthesen im Labor durch, bedienen Messgeräte und dokumentieren Ergebnisse. Sie arbeiten vor allem in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, in Auftragslabors und in der Forschung.

7 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.

Gehalt

Was man als Chemielaborant verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 2.600 € 3.200 € 3.700 € 38.400 €
Mit Berufserfahrung 3.300 € 3.900 € 4.500 € 46.800 €
Mit langjähriger Erfahrung 4.000 € 4.700 € 5.600 € 56.400 €

Entscheidend ist die Tarifbindung: In der Großindustrie gilt der Bundesentgelttarifvertrag der chemischen Industrie (BAVC/IGBCE) mit deutlich höheren Entgelten und Sonderzahlungen als in kleinen Auftrags- oder Umweltlabors, die oft frei vergüten. Hochschulen und Behörden zahlen nach TVöD oder TV-L und liegen dazwischen, Schichtzulagen in der Betriebsanalytik erhöhen das Monatsbrutto zusätzlich.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was macht ein Chemielaborant?

Chemielaboranten untersuchen Stoffe und stellen Stoffe her. Ein typischer Arbeitstag besteht aus Probenvorbereitung, Messungen und Auswertung: Proben einwiegen, lösen, filtrieren, extrahieren, anschließend an HPLC, Gaschromatograph, IR- oder UV-Spektrometer vermessen. Die Rohdaten werden im Laborinformationssystem erfasst, mit Sollwerten verglichen und zu einem Prüfbericht zusammengeführt. In der Qualitätskontrolle entscheidet dieses Ergebnis darüber, ob eine Produktionscharge freigegeben wird.

In der Synthese arbeiten Chemielaboranten an Reaktionsapparaturen, setzen Ansätze im Milligramm- bis Kilogrammmaßstab an, kontrollieren Temperatur, Druck und Reaktionsverlauf, destillieren, kristallisieren und reinigen Produkte. Dazu kommen Aufgaben, die selten in Stellenanzeigen stehen: Geräte kalibrieren und warten, Standards und Pufferlösungen ansetzen, Chemikalien bestellen und lagern, Sicherheitsdatenblätter pflegen, Abfall trennen und entsorgen, Arbeitsvorschriften nach GLP oder GMP schreiben und mitzeichnen. Wer in der Forschung arbeitet, unterstützt Chemikerinnen bei Versuchsreihen und dokumentiert Ergebnisse für Patente und Publikationen.

Wie wird man Chemielaborant?

Über die duale Ausbildung. Sie dauert dreieinhalb Jahre, findet im Betrieb und in der Berufsschule statt und endet mit der Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Betriebe erwarten meist einen mittleren Schulabschluss, viele Ausbildungsplätze in der Großindustrie gehen an Bewerber mit Fachhochschulreife oder Abitur. Chemie, Mathematik und Physik sollten keine Angstfächer sein, weil stöchiometrische Rechnungen und Fehlerbetrachtung zum Alltag gehören.

Eine Alternative ist die schulische Ausbildung zum Chemietechniker oder zur chemisch-technischen Assistentin an Berufsfachschulen, die im Labor ähnlich eingesetzt werden, tariflich aber oft anders eingruppiert sind. Ein echter Quereinstieg ohne Abschluss ist selten; wer aus einem anderen Laborberuf kommt, etwa aus der Biologie- oder Lacklaborantenausbildung, findet dagegen leicht Anschluss. Nach der Ausbildung ist eine Weiterbildung zum Industriemeister Chemie oder zum staatlich geprüften Techniker möglich, ebenso ein Chemiestudium.

Was der Beruf verlangt

Genauigkeit über Stunden. Eine falsch beschriftete Probe oder eine übersehene Verdünnung macht eine ganze Messreihe wertlos. Der Umgang mit Gefahrstoffen erfordert Disziplin: Schutzbrille, Handschuhe, Abzug, kein Alleinarbeiten bei kritischen Reaktionen. Verätzungen, Lösungsmitteldämpfe und Allergien gegen bestimmte Substanzen sind reale Risiken, Betriebsärzte untersuchen regelmäßig. Wer empfindliche Haut oder Atemwege hat, sollte das vorher prüfen.

Gearbeitet wird viel im Stehen, in der Betriebsanalytik teils im Schichtdienst, weil Produktionsanlagen rund um die Uhr laufen. In Forschungslabors und Auftragslabors ist meist Tagdienst üblich, dafür steigt zum Quartalsende der Termindruck. Die Dokumentationspflichten in regulierten Bereichen sind umfangreich und werden von manchen als der zäheste Teil der Arbeit empfunden.

Aussichten

Die Nachfrage ist stabil, besonders in der pharmazeutischen Qualitätskontrolle, in der Umwelt- und Lebensmittelanalytik und in Prüflaboratorien. Gleichzeitig automatisieren viele Betriebe Routinemessungen; einfache Titrationen und Pipettierschritte übernehmen Geräte. Das verschiebt die Anforderungen zur Gerätebetreuung, Methodenvalidierung und Datenauswertung hin. Wer sich in einer Analysetechnik wie Massenspektrometrie oder Chromatographie spezialisiert, ist gut aufgestellt. Entwicklungswege führen zum Labormeister, zur Gruppenleitung, in die Qualitätssicherung, in den technischen Vertrieb oder über ein Studium in Richtung Chemiker.

Aufgaben

  • Proben vorbereiten, einwiegen, lösen und aufreinigen
  • Analysen mit HPLC, Gaschromatograph und Spektrometern durchführen
  • Messwerte auswerten, mit Spezifikationen vergleichen und Prüfberichte erstellen
  • chemische Synthesen im Labormaßstab ansetzen und überwachen
  • Laborgeräte kalibrieren, warten und Störungen eingrenzen
  • Standardlösungen ansetzen, Chemikalien verwalten und Abfälle entsorgen
  • Arbeitsvorschriften und Dokumentation nach GLP- oder GMP-Vorgaben pflegen

Voraussetzungen

  • abgeschlossene Ausbildung als Chemielaborant oder vergleichbare Laborqualifikation
  • sichere Kenntnisse in Chemie und im Rechnen mit Konzentrationen und Fehlergrößen
  • sorgfältige, dokumentationsstarke Arbeitsweise
  • Bereitschaft zum Umgang mit Gefahrstoffen und zum Tragen von Schutzausrüstung
  • gesundheitliche Eignung, keine Allergien gegen häufige Labormaterialien
  • Bereitschaft zu Schichtarbeit in der Betriebsanalytik
  • Englischkenntnisse für Gerätesoftware und Fachliteratur

Wo man arbeitet

  • chemische und pharmazeutische Industrie
  • Auftrags- und Prüflaboratorien
  • Forschungsinstitute und Hochschulen
  • Umwelt-, Wasser- und Lebensmittelanalytik
  • Behörden und Materialprüfanstalten
  • Labore von Kosmetik-, Lack- und Kunststoffherstellern

Der Weg in den Beruf

Der übliche Weg ist die dreieinhalbjährige duale Ausbildung zum Chemielaboranten im Betrieb und in der Berufsschule, abgeschlossen mit der IHK-Prüfung. Bei guten Leistungen oder Vorbildung ist eine Verkürzung auf drei Jahre möglich. Danach stehen Weiterbildungen zum Industriemeister Chemie oder staatlich geprüften Chemietechniker offen, ebenso ein Chemiestudium.

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