Was macht ein Bauleiter grabenlose Kanalsanierung?
Kanäle unter Straßen, Höfen und Gebäuden sind vielerorts fünfzig Jahre und älter. Statt sie aufzugraben, werden sie von innen saniert: Schlauchliner werden eingezogen und mit UV-Licht oder Warmwasser gehärtet, Risse werden mit Kurzlinern überbrückt, Anschlüsse mit Fräsrobotern wieder geöffnet, ganze Haltungen im Berstlining- oder Pressverfahren ersetzt. Der Bauleiter organisiert diese Arbeiten. Er wertet Kamerabefahrungen und Schadensklassifizierungen aus, legt mit dem Auftraggeber – meist einer Stadtentwässerung oder einem Zweckverband – das Verfahren je Haltung fest und plant Reihenfolge, Gerätetechnik und Personal.
Im Alltag wechselt er zwischen Büro und Baustelle. Er schreibt Bautagebücher, prüft Aufmaße, ordnet Nachträge zu, koordiniert Abwasserumleitung und Wasserhaltung, kümmert sich um verkehrsrechtliche Anordnungen und Anwohnerinformationen und führt die Kolonnen der Sanierungsfahrzeuge. Er nimmt Proben von Linerabschnitten für die Fremdüberwachung, kontrolliert Aushärteprotokolle und begleitet die Abnahmebefahrung. Kommt es zu Faltenbildung, Wassereinbruch oder einem nicht gefundenen Anschluss, muss er vor Ort entscheiden.
Wie wird man Bauleiter grabenlose Kanalsanierung?
Der häufigste Weg führt über ein Studium des Bauingenieurwesens oder der Siedlungswasserwirtschaft, oft mit Bachelorabschluss. Ebenso verbreitet ist der Aufstieg aus der Praxis: Rohrleitungsbauer, Kanalbauer oder Industriemechaniker, die sich zum Meister oder staatlich geprüften Bautechniker weiterbilden und Jahre in Sanierungskolonnen gearbeitet haben. Quereinstiege aus dem Tiefbau oder der Rohrinspektion sind möglich, weil die Branche seit Jahren zu wenige Fachleute findet.
Branchenspezifisch kommen Zertifikate hinzu, die Auftraggeber oft verlangen: die Zertifizierung nach dem DWA-Regelwerk zum Sanierungsberater oder zur Fachkraft für Kanalsanierung, Schulungen zum Umgang mit Kanalinspektionssystemen, Nachweise für Arbeiten in abwassertechnischen Anlagen sowie eine Qualifikation zur Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet dort statt, wo Abwasser fließt. Geruch, Enge, Lärm von Saug- und Hochdruckfahrzeugen, Hitze in der Kanalgrube und Nässe gehören dazu. Wer selbst in Schächte einsteigt, braucht die arbeitsmedizinische Eignung für Atemschutz und muss frei von Höhen- und Engeangst sein. Viele Sanierungen laufen nachts oder am Wochenende, weil der Kanal dann weniger belastet ist und Straßen frei sind. Rufbereitschaft nach Starkregen oder bei Einbrüchen ist üblich.
Dazu kommt der kaufmännische Druck. Ausschreibungen sind knapp kalkuliert, Verzögerungen kosten Geld, und die Verantwortung für Termine, Nachträge und Mängelfreiheit liegt beim Bauleiter. Häufig werden mehrere Baustellen parallel geführt, verbunden mit vielen Fahrkilometern und teils Montageeinsätzen über Wochen. Wer klare Bürozeiten und wenig Konflikte sucht, ist hier falsch.
Aussichten
Der Sanierungsstau im deutschen Kanalnetz ist groß und wird über Jahrzehnte abgearbeitet; die Nachfrage nach Fachleuten ist stabil und übersteigt das Angebot deutlich. Wer Erfahrung mit mehreren Verfahren und mit öffentlichen Auftraggebern hat, findet leicht eine Stelle. Entwicklungswege führen zum Oberbauleiter, zur Niederlassungs- oder Bereichsleitung, in die Kalkulation, in die Sanierungsplanung eines Ingenieurbüros oder auf die Auftraggeberseite zu Stadtentwässerungsbetrieben, wo die Arbeitszeiten meist ruhiger sind. Auch die Sachverständigentätigkeit für Zustandsbewertung und Dichtheitsprüfung ist ein Weg.