Assistenzarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie
Assistenzärzte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandeln Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen – von Depressionen und Angststörungen über ADHS bis zu Essstörungen und Psychosen. Sie arbeiten in der Weiterbildung zum Facharzt und immer im Zusammenspiel mit Familien, Schulen und Jugendhilfe.
9 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Assistenzarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 5.200 € | 5.700 € | 6.100 € | 68.400 € | |
| Mit Berufserfahrung | 6.200 € | 6.800 € | 7.400 € | 81.600 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 7.500 € | 8.600 € | 10.500 € | 103.200 € |
Das Grundgehalt ist tariflich festgelegt: TV-Ärzte/VKA an kommunalen Kliniken, TV-Ärzte/TdL an Universitätskliniken, TV-Ärzte/Helios oder Haustarife bei privaten Trägern – gestuft nach Weiterbildungsjahren. Deutlich mehr als das Grundgehalt machen oft Bereitschafts- und Nachtdienstvergütungen aus; Senior-Werte setzen den Facharzttitel und Oberarztfunktion voraus.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Assistenzarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie?
Der Arbeitstag beginnt meist mit der Visite auf der Station: Gespräche mit Patientinnen und Patienten zwischen etwa vier und achtzehn Jahren, Abstimmung mit dem Pflegeteam, Prüfung von Medikation und Krisenverläufen. Dazu kommen ausführliche Anamnesen, in denen Entwicklungsgeschichte, Familiensituation, Schullaufbahn und Symptomatik erhoben werden. Assistenzärzte führen Elterngespräche, erklären Diagnosen und Behandlungsoptionen, dokumentieren Befunde und schreiben Arztbriefe sowie Stellungnahmen für Jugendämter, Schulen und Familiengerichte.
Fachlich gehören körperliche Untersuchungen, Blutentnahmen, EKG- und EEG-Anforderungen, die Auswertung testpsychologischer Diagnostik und die Einstellung von Psychopharmaka dazu. Ein großer Teil der Arbeit ist Gesprächsarbeit: Einzeltherapie unter Supervision, Familiengespräche, Krisenintervention nach Suizidversuchen oder Selbstverletzungen. Fallbesprechungen im multiprofessionellen Team mit Psychologen, Pflege, Sozialdienst, Ergo-, Musik- und Bewegungstherapie nehmen viel Zeit ein. Auch Unterbringungsverfahren nach dem Betreuungsrecht oder den Landesgesetzen und die Vorstellung von Fällen vor Gericht kommen vor.
Wie wird man Assistenzarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie?
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium von zwölf Semestern mit drei Staatsexamensabschnitten und die Approbation als Ärztin oder Arzt. Danach folgt die fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an einer Weiterbildungsstätte. Sie umfasst Zeiten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Jahr in der Erwachsenenpsychiatrie oder Pädiatrie sowie Neurologie-Anteile, dazu Psychotherapieausbildung mit Selbsterfahrung, Supervision und dokumentierten Behandlungsfällen. Ein Wechsel aus anderen Fachgebieten, etwa Pädiatrie oder Erwachsenenpsychiatrie, ist verbreitet; bereits absolvierte Zeiten werden nach Prüfung durch die Landesärztekammer angerechnet. Ein Quereinstieg ohne Medizinstudium ist nicht möglich.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist emotional belastend. Assistenzärzte begegnen Missbrauch, Vernachlässigung, Suizidalität und schwerer Selbstverletzung, oft bei Kindern, deren Familien wenig Halt geben können. Wer keine Distanz aufbauen kann, brennt aus. Bereitschafts- und Nachtdienste gehören dazu, in kleineren Kliniken teils allein für mehrere Stationen. Der Dienstplan kollidiert regelmäßig mit dem Privatleben, auch wenn die Belastung durch Notfälle geringer ist als in der Akutsomatik.
Dazu kommt viel Verwaltung: Dokumentation, Kodierung, Berichte an Kostenträger und Behörden. Fortschritte sind langsam und nicht immer sichtbar, Behandlungsplätze sind knapp, Wartelisten lang, und Assistenzärzte müssen Eltern erklären, dass eine Aufnahme Wochen dauert. Verlässliche Supervision ist entscheidend und in der Praxis nicht überall gegeben. Fachlich verlangt der Beruf Geduld, Interesse an Entwicklungspsychologie und die Fähigkeit, mit Familien zu arbeiten, die der Klinik misstrauen.
Aussichten
Der Bedarf ist hoch und steigt weiter, seit psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen häufiger diagnostiziert werden. Stellen sind bundesweit ausgeschrieben, auch in ländlichen Regionen, und offene Facharztstellen bleiben oft lange unbesetzt. Nach der Facharztprüfung stehen die Klinikkarriere über Ober- und Chefarztpositionen, eine eigene Praxis mit Kassenzulassung, die Arbeit in Sozialpädiatrischen Zentren oder in der Forschung offen. Zusatzqualifikationen in speziellen Psychotherapieverfahren, forensischer Begutachtung oder Neuropädiatrie erweitern die Möglichkeiten. Teilzeitmodelle sind in diesem Fach besser durchsetzbar als in vielen operativen Disziplinen.
Aufgaben
- Anamnesen und psychiatrische Befunde bei Kindern und Jugendlichen erheben
- Visiten auf Station und in der Tagesklinik durchführen
- Medikamentöse Behandlung einstellen und Wirkungen überwachen
- Einzel- und Familiengespräche unter Supervision führen
- Krisenintervention bei Suizidalität und Selbstverletzung
- Testpsychologische und apparative Diagnostik anfordern und auswerten
- Arztbriefe, Gutachten und Stellungnahmen für Jugendämter und Gerichte verfassen
- Fälle im multiprofessionellen Team besprechen und Behandlungspläne abstimmen
Voraussetzungen
- Abgeschlossenes Medizinstudium und deutsche Approbation
- Sehr gute Deutschkenntnisse für Gesprächsarbeit und Dokumentation
- Belastbarkeit im Umgang mit Suizidalität, Gewalt und Missbrauchserfahrungen
- Interesse an Entwicklungspsychologie und Arbeit mit Familien
- Bereitschaft zu Bereitschafts-, Nacht- und Wochenenddiensten
- Fähigkeit zur emotionalen Abgrenzung und Reflexion eigener Reaktionen
- Teamfähigkeit in der Zusammenarbeit mit Pflege, Psychologie und Sozialdienst
Wo man arbeitet
- Kinder- und jugendpsychiatrische Fachkliniken
- Kinder- und Jugendpsychiatrische Abteilungen an Allgemein- und Universitätskliniken
- Tageskliniken und Ambulanzen
- Sozialpädiatrische Zentren
- Forensische Kinder- und Jugendpsychiatrie
Der Weg in den Beruf
Nach dem sechsjährigen Medizinstudium und der Approbation beginnt die fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte. Sie umfasst Pflichtzeiten in Erwachsenenpsychiatrie oder Pädiatrie, Neurologie-Anteile sowie eine vollständige Psychotherapieausbildung mit Selbsterfahrung und Supervision. Abschluss ist die Facharztprüfung bei der Landesärztekammer.
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